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Tollwut : Ein Grund, das Fürchten zu lernen

Nach einem Biss sofort zum Arzt

In der Praxis kommt es darauf an, so schnell wie möglich zu handeln. Wird man von einem Tier gebissen, das mit Lyssaviren infiziert sein könnte, muss die Wunde gründlich gereinigt werden. Man sollte zudem unverzüglich mit einer Prophylaxe beginnen, die meist auf der Verabreichung einer passiven Impfung mit Immunglobulinen und einer aktiven mittels Totimpfstoff beruht. „Je länger man wartet, desto schwieriger wird es, die Viren auf ihrem Weg ins Gehirn aufzuhalten. Aber es gibt eigentlich kein Zeitintervall, nach dem eine Impfung unwirksam und nicht mehr empfehlenswert wäre“, sagt Roß. Die Inkubationszeit kann, abhängig davon, wo die Infektionsstelle am Körper liegt, zwischen einigen Tagen, wenigen Wochen oder sogar mehreren Jahren liegen. Die Viren dringen in dieser Zeit in Nervenzellen ein – was es nach einem Kontakt möglichst zu verhindern gilt – und werden durch deren Axone zum Gehirn transportiert; täglich rücken sie bis zu 24 Millimeter vor.

Selbst bereits Geimpfte sollten in kritischen Situationen vorsichtshalber zwei weitere Spritzen erhalten, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. Wobei das allerdings in entlegenen Gebieten Afrikas oder Asiens schwierig werden dürfte, wenn Krankenhäuser weit entfernt sind und die Vakzine selten vorrätig; ob das wirklich nötig ist, bleibt umstritten. Vor Reisen in Endemiegebiete rät Stefan Roß in jedem Fall zur vorbeugenden Impfung. Drei Spritzen sind für den Schutz nötig, der einem das Leben retten kann. Auf das sogenannte „Milwaukee-Protokoll“, durch welches 2004 ein durch eine Fledermaus infizierter und erkrankter amerikanischer Teenager überlebte, sollte man sich dagegen lieber nicht verlassen: „Der anfängliche Erfolg ließ sich nicht wiederholen. Zwar konnte man in manchen Fällen den Verlauf verlängern, aber den Tod nicht aufhalten“, sagt Roß. Auch bestünden heute Zweifel, ob diese Therapie überhaupt zur Genesung beigetragen hat: „Es könnte ebenso sein, dass eine ungewöhnlich früh einsetzende Immunreaktion die eigentliche Rettung war.“ Dennoch hat der aufsehenerregende Fall dazu beigetragen, dass man sich wieder verstärkt um geeignete Therapien bemüht und zum Beispiel probiert, Wirkstoffe über die Blut-Hirn-Schranke mitten ins Geschehen zu schleusen.

Fast immer tödlich

Nur gut ein Dutzend Fälle sind bekannt, in denen eine Tollwut ausnahmsweise nicht mit Koma und Tod endete. Warum hat die Infektion meist fatale Folgen? „Das ist nicht völlig geklärt. Die eher moderaten Läsionen, die sich post mortem im Hirn finden, können es jedoch nicht allein sein“, sagt Roß.

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Was die Lyssaviren betrifft, liegt ebenfalls noch vieles im Dunkeln. In den Populationen der Fledermäuse toben sie sich offensichtlich nicht besonders aggressiv aus. Sonst wären beispielsweise die ohnehin in ihrer Existenz bedrohten heimischen Arten längst verschwunden. Welche Faktoren nun für die Pathogenität dieser Erreger entscheidend sind, untersucht Thomas Müller deshalb mit seinem Team auf der Insel Riems. Denn andere Wirtstiere wie Füchse oder Marderhunde seien da deutlich anfälliger, aber es blieben immer noch genügend übrig, um etwa als Wildreservoir herzuhalten.

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