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Artgerechte Haltung : Wie hat es die Sau am liebsten?

  • -Aktualisiert am

Schweineglück hängt von vielem ab. Ausreichend Platz ist längst nicht alles. Bild: AFP

Seit Kurzem soll ein neues Kennzeichen verraten, ob das Fleisch im Supermarkt von Tieren stammt, die artgerecht gehalten wurden. Doch wie findet der Verbraucher heraus, ob das auch tatsächlich stimmt?

          Wie ging es meinem Schnitzel, als es noch ein Schwein war? Glaubt man dem „Ernährungsreport 2019“, stellen sich inzwischen fast alle deutschen Verbraucher diese Frage. Neun von zehn Befragten erklärten sich in der repräsentativen Umfrage bereit, für bessere Haltungsbedingungen in der Fleischproduktion deutlich tiefer in die Tasche zu greifen.

          Wenn das Tier schon für den Menschen sein Leben lassen muss, soll es ihm bis dahin zumindest so gut wie möglich gehen. Doch dem Schnitzel sieht man es nicht an, wie viel Wert bei seiner Produktion auf eine tiergerechte Schweinehaltung gelegt wurde. Orientierung soll das zunächst nur für Schweinefleisch geplante staatliche Tierwohl-Label bieten, das Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner im Januar vorstellte und im nächsten Jahr auf freiwilliger Basis einführen will.

          Die Supermärkte Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Penny, Netto und Rewe sind da etwas schneller. Sie haben ihre jeweiligen Kennzeichnungen für Frischfleisch-Produkte zu einem gemeinsamen Label „Haltungsform“ vereinheitlicht, das von morgen an in den Kühlregalen zu finden sein soll. Das Label der Discounter kommt in vier Stufen: Stufe 1 „Stallhaltung“ bezeichnet lediglich die Selbstverständlichkeit, dass das Fleisch den gesetzlichen Anforderungen entsprechend produziert wird. Ab Stufe 2 „Stallhaltung plus“ gelten höhere Standards: rund zehn Prozent mehr Platz für Schweine, Hühner und Puten; zusätzliches Beschäftigungsmaterial oder eine Laufstallhaltung für Schlachtkühe. In Stufe 3 „Außenklima“ bekommen die Tiere wiederum etwas mehr Platz und dürfen an die frische Luft; oder zumindest darf die frische Luft in einem Offenfrontstall zu ihnen. Auf Stufe 4 mit dem Namen „Premium“ schließlich haben die Tiere abermals mehr Platz und Auslauf im Freien. Sie entspricht in Sachen Haltungsbedingungen in etwa dem Bio-Siegel, außer dass das Futter hier nicht aus teurem biologischem Anbau stammen muss, was den Preis im Rahmen halten soll.

          Was braucht ein Schwein zum Glücklichsein?

          Klöckners dreistufiges „Staatliches Tierwohllabel“ für die Schweinemast zielt in die gleiche Richtung. Zusätzlich gehen darin noch eine Reihe weiterer Kriterien wie kürzere Transportzeiten zum Schlachthof oder eine längere Säugephase für die Ferkel mit ein.

          Mehr Platz, mehr Unterhaltung, mehr Frischluft – das alles klingt aus menschlicher Sicht plausibel. Doch was halten Sau, Huhn und Rindvieh davon? Sind sie dank eines Holzspielzeugs oder eines halben Quadratmeters mehr wirklich glücklicher?

          Was das Tier zum Glücklichsein braucht, kann man leider nicht direkt erfragen. „Aber durch eine möglichst umfassende Betrachtung von biologischen Funktionen, Verhalten und tierischen Emotionen kann man durchaus herausfinden, was Tiere wollen und wie ihr Befinden ist“, sagt Lars Schrader, Leiter des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tierschutz und Tierhaltung in Celle. Die Basis für das tierische Glück sei seine Gesundheit: Ein krankes Schwein könne kaum ein glückliches Schwein sein. Die Freiheit von Krankheit, Verletzung und Schmerz gehört auch zu den „Fünf Freiheiten“, einem auf den britischen Tierarzt John Webster zurückgehenden Konzept zur Bewertung des Wohlbefindens von Tieren in menschlicher Obhut, das in der Diskussion um Tierwohl zu einem wichtigen Leitfaden geworden ist. Zu den fünfen zählen des Weiteren die Freiheit von Hunger und Durst, die Freiheit von Angst und Leiden, die Freiheit von Unbehagen sowie die Freiheit, normales artspezifisches Verhalten ausleben zu können.

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