https://www.faz.net/-gwz-7ydad

Im Tierversuch erfolgreich : Neues Antibiotikum wirkt gegen multiresistente Keime

  • -Aktualisiert am

Suche nach Keimen: Nährböden werden in einem Labor mit Probenmaterial beimpft, um Bakterien zu identifizieren Bild: dapd

Ein Antibiotikum, das Bonner Wissenschaftler entdeckten, weckt große Hoffnungen: Die Substanz vernichtet MRSA-Keime und könnte jahrzehntelang wirken, bevor die Bakterien sie so überlisten, wie sie es mit vielen gebräuchlichen Antibiotika schon geschafft haben.

          In den vergangenen Jahren gab es wenig Gutes über Antibiotika zu berichten. Stets stand die Sorge vor wachsenden Resistenzen und fehlendem Nachschub im Mittelpunkt. In dieser Woche stellt die Zeitschrift „Nature“ ein neuartiges Antibiotikum vor, das große Hoffnungen weckt (doi:10.1038/nature14098).

          Die Substanz mit dem Namen Teixobactin gehört zu einer völlig neuen Klasse von antibakteriellen Verbindungen. Sie vernichtet sogar multiresistente grampositive Bakterien - auch MRSA, ein Keim, der sich in den Kliniken breit gemacht hat. Der Wirkmechanismus von Teixobactin ist so speziell, dass es vermutlich auf absehbare Zeit keine Resistenzen geben wird. Die Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass es Jahrzehnte dauern könnte, bis die Substanz ihre Wirkung verliert.

          Suche nach neuen Substanzen

          Die Verbindung stammt zudem aus einem Bakterium, das bisher nicht kultivierbar war. Dafür musste eigens eine neue Anzuchttechnik entwickelt werden. Mit dieser neuen Technik könnten bald weitere neuartige Antibiotika in bisher nicht kultivierbaren Bakterien entdeckt werden.

          Röhrchen mit Keimen in einem Londoner Labor

          Die Suche nach andersartigen Substanzen leidet nämlich darunter, dass in den bisher verwendeten Bakterien nur noch solche Antibiotika gefunden werden, die bereits in ähnlicher Form bekannt sind.

          Es gibt allerdings noch keine klinischen Daten zu Teixobactin. Die Angaben zur Wirkung stammen aus Tierversuchen mit Mäusen. Während ohne Teixobactin neunzig Prozent der mit multiresistenten MRSA infizierten Mäuse starben, überlebten mit Teixobactin alle Tiere. Auch eine Pneumokokken-Infektion der Lunge konnte bei den Tieren gut behandelt werden. Entdeckt wurde Teixobactin von Tanja Schneider vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung am Universitätsklinikum Bonn und ihren Kollegen aus Bonn und den Vereinigten Staaten. Es könnte fünf bis zehn Jahre dauern, bis dass das neuartige Antibiotikum in die Klinik kommt, vorausgesetzt es wirkt beim Menschen ebenso gut wie bei den Mäusen und wird auch ähnlich gut vertragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Torwartwechsel: Manuel Neuer (l.) verteidigt seine Position gegenüber Marc-Andre ter Stegen

          Ter Stegen gegen Neuer : Zeit für einen Torwartwechsel?

          Keine Position im Fußball wird so gerne diskutiert wie die zwischen den Pfosten. Nur wenige Torhüter haben den Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft konservieren können – und es ins kollektive Gedächtnis geschafft.
          Michael Jürgs starb im Juli mit 74 Jahren

          Michael Jürgs’ letztes Buch : Wer tot ist, muss sehen, wo er bleibt

          Eine Seele wirft keinen Schatten: Der Journalist Michael Jürgs hat zwei Wochen vor seinem Ableben sein letztes Buch beendet. In „Post mortem“ surft er durchs Jenseits und trifft dort höchst lebendige Tote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.