https://www.faz.net/-gwz-9rqxs

Crispr-Genschere : Taugt Biotechnik zur Rettung der Banane?

  • -Aktualisiert am

Die Banane wird von pathogenen Pilzen bedroht. Bild: obs

Ein aggressiver Pilz bedroht die Frucht inzwischen fast überall. Mit der Gentechnik hat man im Kampf gegen den Erreger enorme Fortschritte gemacht. Eigentlich aber braucht es noch ganz andere Schritte.

          3 Min.

          Der Schrecken aller Bananenbauern heißt Tropical Race 4, kurz TR4. Der Schlauchpilz löst die Panamakrankheit aus, indem er Bananenpflanzen über die Wurzeln befällt: Die Leitbahnen verstopfen daraufhin, der Wasser- und Nährstofftransport versiegt, die Pflanze vertrocknet. Einmal infiziert, sind die Bananenpflanzen verloren, denn es gibt kein wirksames Mittel gegen den Pilz. 1990 erstmals in Asien dokumentiert, hat sich der Pilz seitdem in den Nahen Osten, nach Australien und Afrika verbreitet.

          TR4 bildet Dauerstadien aus und kann so Jahrzehnte im Boden überleben. Geringe Mengen kontaminierter Erde, etwa an einer Bananenkiste, reichen somit aus, um den Schädling per Schiff oder Flugzeug über Kontinente hinweg zu verschleppen. Im Juli wurde der Erreger nun erstmals im Norden Kolumbiens nachgewiesen und hat damit den befürchteten Sprung nach Mittelamerika geschafft – einem Hauptanbaugebiet der Bananensorte „Cavendish“, die Amerikas und Europas Supermarktregale dominiert.

          Seit Jahren arbeiten Forscher weltweit an einer Bananensorte, der TR4 nichts anhaben kann. Nun dürfte sich der Druck erhöhen. Auf traditionellem Weg ist die Zucht neuer Sorten allerdings ungemein schwierig: Kulturbananen vermehren sich asexuell durch Schösslinge und bilden zudem keine Samen.

          Die „Cavendish-Variante

          Forschern des Taiwan Banana Research Institute ist es schon vor einigen Jahren gelungen, mit Hilfe der sogenannten somaklonalen Selektion widerstandsfähigere Cavendish-Varianten zu erzeugen: Dazu isoliert man Zellen aus Bananenpflanzen und hält sie in Gewebekultur. Solche Zellen gelten als genetisch instabil. Die zufällig entstehenden Mutationen können zu neuen Eigenschaften führen. Die „Giant Cavendish Tissue Culture Variants“ etwa sind weniger anfällig für den Pilz, unterscheiden sich aber etwas im Geschmack und ihren Wachstumseigenschaften. Auf den Philippinen und in Moçambique werden sie mittlerweile in großem Maßstab angepflanzt. „Die Varianten reagieren manchmal empfindlich auf unterschiedliche Umweltbedingungen. Ob sie für den Anbau in Australien und Mittelamerika geeignet sind, muss untersucht werden“, sagt Altus Viljoen von der Universität Stellenbosch in Südafrika.

          Auch die Gentechnik hat Erfolge vorzuweisen. Forscher um James Dale von der Queensland University in Brisbane, Australien, haben eine resistente Bananenpflanze gezüchtet, indem sie das Resistenzgen einer Wildbanane in das Cavendish-Erbgut eingefügt haben. Die Ergebnisse des ersten Feldversuchs von 2017 waren überzeugend: Während die Kontrollpflanzen fast alle eingingen oder Krankheitssymptome wie gelbe Blätter und verfaulende Stämme aufwiesen, überlebten 80 Prozent der genetisch veränderten Bananen. Auch der aktuelle Feldversuch sieht vielversprechend aus. „Seit Kolumbien den nationalen Notstand ausgerufen hat, gehen die Anfragen durch die Decke“, sagt Dale.

          „Ich habe nichts gegen genetisch veränderte Bananen“, sagt Viljoen, „Wenn Verbraucher sie aber nicht essen, hat eine resistente Pflanze keinen Wert.“ Tatsächlich gilt die Vermarktung genetisch veränderter Bananen als schwierig bis unmöglich.

          Europa hat Sonderrolle

          Einen Ausweg könnte die Gen-Schere Crispr darstellen: Genomeditierte Pflanzen, die keine Fremd-DNA in sich tragen, zählen mittlerweile in einigen Ländern, etwa Amerika, Australien, Japan und Brasilien, nicht als genetisch veränderte Organismen, was die Vermarktung erleichtert. Europa nimmt eine Sonderstellung ein, da solche Pflanzen hierzulande unter die Regularien des Gentechnikgesetztes fallen. Dale etwa versucht, das im Erbgut der Cavendish-Banane vorhandene, aber inaktive Resistenzgen gegen TR4 anzukurbeln. „Es wird aber noch ein paar Jahre dauern, bis wir einen Feldversuch starten können“, so Dale. Andere Gruppen versuchen, mit Hilfe von Crispr das Immunsystem der Bananenpflanzen zu beeinflussen: indem sie Gene blockieren, die Bananenpflanzen anfällig machen für TR4 oder die Abwehr stärken.

          Im Kampf gegen den Pilz sollte man laut vieler Experten aber nicht nur auf Gentechnik setzen. Um den Bananenanbau langfristig nachhaltig zu gestalten, müssen sich auch die Anbaumethoden grundlegend ändern. Für den Export setzt man weltweit fast ausschließlich auf die Sorte Cavendish, die massenweise in Monokulturen angebaut wird. Da es sich auch noch um genetisch identische Klone handelt, haben Schädlinge allzu leichtes Spiel.

          Mehr Vielfalt auf dem Feld und im Supermarkt würde helfen. Kleinbauern machen es vor: Sie pflanzen oft verschiedene Bananensorten und Getreide gleichzeitig an und sind von der Panamakrankheit weniger betroffen.

          Weitere Themen

          Jetzt wird‘s igelig

          Ab in die Botanik : Jetzt wird‘s igelig

          Die Lebensräume der Igel schwinden. Felder werden in aufgeräumte Äcker für Monokulturen verwandelt und überall entstehen Straßen. Und in den Städten trifft man zunehmend auf Stein- und Schotterwüsten anstelle von grünen Gärten.

          Geboren, um zu rechnen

          Mathe-Gen Robo1 : Geboren, um zu rechnen

          Das Gen „Robo1“ hilft unseren mathematische Fähigkeiten auf die Sprünge. Es beeinflusst die Größe einer Hirnregion, in dem unser Verständnis für Mengen repräsentiert ist, wie Max-Planck-Forscher herausgefunden haben.

          Topmeldungen

          Kapazitätserhöhung in Person: Vanessa Op te Roodt im Labor in Ingelheim

          Immer mehr Corona-Tests : Deutschlands Labore sind am Limit

          Die Labore in Deutschland werten immer mehr Corona-Tests aus und verdienen gut daran. Doch nun schlagen Laborärzte Alarm: Noch mehr Untersuchungen seien unmöglich. Muss die Teststrategie geändert werden?
          Der belgische Premierminister Alexander De Croo informiert die Bürger nach den Beratungen über verschärfte Corona-Maßnahmen am Freitagabend.

          Corona-Spitzenreiter : Belgien scheut den Lockdown

          Belgien hat die höchste Infektionsrate in Europa. Die Maßnahmen werden verschärft, aber einen Lockdown wird es vorerst nicht geben. Aus Sicht von Fachleuten ist das viel zu wenig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.