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Taucherkrankheit : Es gibt kein sicheres Tauchen

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Runter kommen alle, der Weg zurück muss schon sorgfältiger geplant werden Bild: picture-alliance / dpa

Obwohl sie sich an die Regeln halten, erleiden jedes Jahr etwa vierzig Menschen eine ausgeprägte Taucherkrankheit. Diese Unfälle sind Medizinern häufig ein Rätsel. Fest steht: Risiken unter Wasser lassen sich nie ganz ausschließen, aber vielleicht verringern. Ein Bericht von der Forschungsfront.

          Murnau am Staffelsee. „Letzter Check.“ Eine männliche Stimme dringt in die drei mal fünf Meter große Metallkammer. „Keine Armbanduhren an? Keine Feuerzeuge dabei? Und ihr habt auch bestimmt keinen Schnupfen?“ Manuela, Matthew, Jörn und Michael verneinen laut. Die vier Sporttaucher sitzen in der Kammer, Decken, Bücher, Nasentropfen und Kaugummis neben sich. In einer Ecke stehen leere Urinflaschen für den Notfall bereit. „Dann geht es los. Gute Fahrt!“, wünscht die Stimme des technischen Leiters des Druckkammerzentrums Andreas Kanstinger. Eine Krankenschwester verriegelt von außen die schwere Tür für die nächsten Stunden. Der Kontrollraum ist ein paar Meter entfernt, hier drückt Kanstinger nun einen Knopf und lässt Luft in die Kammer strömen.

          Die Druckanzeige steigt langsam, bei 4 bar bleibt der Zeiger stehen. Das Rauschen wird leiser und verstummt. „Dieser Überdruck entspricht dem Druck in 40 Meter Wassertiefe“, erklärt Kanstinger. „Da bleiben die vier jetzt erst mal eine Stunde.“ Manuela und ihre Freunde nehmen als Probanden an einer Studie in der Murnauer Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik teil, die Holger Schöppenthau und Bernd Winkler leiten. Die Mediziner testen ein neues Tauchprofil, dafür setzen sie die Freiwilligen in der Kammer jetzt hohem Luftdruck aus und simulieren auf diese Weise bestimmte Wassertiefen. Dann werden die gängigen Regeln außer Kraft gesetzt.

          Die Haut rötet sich, die Gelenke schmerzen

          Bisher lernen Tauchschüler, dass sie erst zum anvisierten tiefsten Punkt tauchen sollen, um von dort langsam und mit Pausen zur Wasseroberfläche zurückzukehren. Das soll physiologischen Problemen vorbeugen. Auf- und erneutes Abtauchen, ein sogenanntes Jojo-Profil, ist untersagt. Hält sich ein Mensch nämlich längere Zeit tief unter Wasser auf, löst sich durch den höheren Druck sehr viel mehr Stickstoff aus der Atemluft im Körper als an der Oberfläche. Taucht er nun zu schnell wieder auf, wird er den überschüssigen Stickstoff nicht rechtzeitig los: Das Gas perlt im Blut aus wie Kohlensäure in einem Glas Sekt.

          Fast bei jedem Tauchgang entstehen solche Blasen im Venensystem, abhängig von Dauer und Tiefe. Normalerweise werden sie problemlos über die Lunge wieder abgegeben. Gelangen sie aber in den arteriellen Blutkreislauf, wird es gefährlich. Die Gasblasen können sich beispielsweise im Gehirn festsetzen, dort die Blutzufuhr drosseln und zu Schwellungen führen. Ärzte sprechen dann von der Dekompressions- oder Taucherkrankheit. In leichten Fällen spüren Betroffene etwa dreißig Minuten nach dem Auftauchen ein Kribbeln; die Haut rötet sich, die Gelenke schmerzen. Es können aber auch Sehstörungen oder Lähmungen auftreten, und mitunter droht Lebensgefahr. In Deutschland erleiden nach Angaben der Versicherungsgesellschaft Aqua Med jedes Jahr etwa vierzig Menschen eine ausgeprägte Taucherkrankheit. Diese Unfälle sind Medizinern häufig ein Rätsel, die Taucher haben sich meist genau an die Regeln gehalten. „Das Problem sind die Blasen“, erklärt Holger Schöppenthau. So viel sei sicher. Daher versuchen die Murnauer das Tauchprofil zu verbessern. Je weniger Blasen im venösen Blut treiben, desto geringer das Risiko.

          „Die Blase schrumpft und richtet im Körper weniger Unheil an“

          „Jetzt geht es hoch auf 18 Meter“, teilt Andreas Kanstinger den Probanden nach einiger Zeit durchs Mikrofon mit. Er öffnet die Ventile, aus der Kammer strömt Luft. „Wenn wir nachher auf neun Meter angekommen sind“, sagt er, „lassen wir die vier zunächst fünf Meter abtauchen, bevor es weiter nach oben geht. Wir provozieren also ein Jojo-Profil.“

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