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Suche nach Aids-Impfstoff : Treibjagd auf HIV

  • -Aktualisiert am

HI-Viren Bild: dpa

Die Forschung an Impfstoffen gegen Aids kommt voran: Im Blut von Patienten wurden potente Antikörper gefunden. Ihre Entstehungsgeschichte hilft Impfstoffentwicklern.

          Bei der Entwicklung potentieller Impfstoffe gegen HIV sollen vor allem so genannte „breit neutralisierende Antikörper“ (aus dem Englischen „broad neutralizing antibodies“, bnAbs) entstehen. Die potenten Immunmoleküle können ein großes Spektrum an unterschiedlichen Virus-Stämmen effizient abwehren, weil sie an essenziellen und deshalb vielen Stämmen gemeinsamen Stellen an der Oberfläche des Virus andocken. Dies schlug allerdings bei allen Impfversuchen, inklusive den drei bis jetzt großangelegten Impfstudien wie dem RV144 Thai Vaccine Trial, fehl, worauf Barton Haynes und Laurent Verkoczy von der Duke University School of Medicine in Durham in den Vereinigten Staaten in der Zeitschrift „Science“ hinweisen (doi: 0.1126/science.1254990). Die AIDS-Experten berichten allerdings über neue Erkenntnisse zu den ersehnten Antikörpern, die die Impfstoffforschung näher an das Ziel bringen könnten.

          Die meisten bnAbs, die nur bei zwanzig Prozent aller HIV-Infizierten und meistens erst zwei bis drei Jahre nach einer Infektion entstehen, sind unter anderem durch eine außergewöhnlich lange Schleife gekennzeichnet, die aus ihrer Bindungsstelle herausragt. Damit können sie die sperrigen Zuckermoleküle durchdringen, die ihr Ziel auf den Membran-Proteinen des Virus abschirmen. Wie solche ausgefeilten Antikörper im Körper entstehen, zeigte vor kurzem die Gruppe von John Mascola vom amerikanischen National Institute of Health (NIH) in Bethesda. Im Rahmen des CAPRISA-Projekts (Center for the AIDS Programme of Research in South Africa) isolierten die Forscher im Blut einer Patientin zwölf potente bnAbs und konnten deren Entstehungsgeschichte während der ersten vier Jahre nach der Infektion rekonstruieren („Nature“, Bd.509, S.55).

          Spezifische DNA-Signaturen

          Mit high-throughput Sequenzierungsmethoden konnten aus den Antikörper-produzierenden B-Zellen die spezifischen DNA-Signaturen ermittelt werden, aus denen die einzelnen Antikörper entstehen. Es zeigte sich: Das erste bnAb-Exemplar erschien aus einem einzelnen B-Zell Progenitor dreißig bis 38 Wochen nach der Infektion und besaß auch gleich die herausragende Schleife, die ihm ermöglichte, den ursprünglichen Stamm zu neutralisieren. Daraufhin fing allerdings das Virus an, sich durch Mutationen zu verzweigen. Dem Ausweichmanöver gingen die Nachkommen des B-Zell Progenitors nach, indem sie ab der 59. Woche ihr Genom mit sukzessiven feinen Veränderungen anpassten. Daraus entstanden immer potentere Antikörper, die wohl zusammen die Kontrolle über die verschiedenen Mutanten brachten, und schon nach einem Jahr über achtzig Prozent aller im Labor getesteten Stämme neutralisierten.

          Die Herausforderung bestehe nun darin, so Haynes und Verkoczy, den natürlichen Entstehungsprozess mit präzisen Impfstoffen nachzuahmen, um gezielt die B-Zell-Progenitore zu aktivieren, die die schützenden bnAbs produzieren. Den anschließenden Ausfeilungsprozess, der offensichtlich schneller erfolgen kann, als bis jetzt vermutet, könne man künstlich mit sukzessiven Verabreichungen leicht unterschiedlicher Impfstoffen ankurbeln, die die allmähliche Umwandlung des Virus imitieren.

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