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Das Streitgespräch: Alzheimer : Heilung - wie nah ist man wirklich dran?

Sie nehmen Vitamine und hoffen auf die Wirkung von Antioxidantien, obwohl vor einiger Zeit im „New England Journal“ gezeigt worden war, dass solche Nahrungsergänzungsmittel medizinisch nichts bringen?

Das Bild links zeigt intakte Neuroblastomzellen, die Zellkerne sind weiß und die Zellmembranen rot; das Bild rechts zeigt die Beta-Amyloid-Ablagerungen (gelb).

Beyreuther: Statistisch ja. Ich bin aber keine statistische Person, sondern ein einzelnes Individuum. Ich glaube an die antioxidative Wirkung von Vitamin E. Aber nur in Verbindung mit Vitamin C. In größeren Mengen geht Vitamin E in die Lipidmembran der Zellen und richtet da durch Radikalbildung Schäden an, deshalb muss man Vitamin C nehmen, um den Radikaleffekt durch Vitamin E zu verhindern. Ich nehme kein Eisen und kein Kupfer als Nahrungsergänzungsmittel. Beide produzieren Radikale. Vitamin B12 ist wichtig. Viele ältere Menschen haben zu wenig B12, es kommt in Pflanzen nicht vor und ist normalerweise in tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Und Vitamin B12 schützt die Mitochondrien.

Demetrius: Das freut mich, Sie machen in ihrem Privatleben viel Werbung für die Mitochondrien-These. Sie versuchen Alzheimer zu vermeiden, indem Sie der ‚Inverse Warburg’- Hypothese folgen.

Beyreuther: Wir müssen die Wissenschaft immer ernst nehmen. Wir haben sieben Risikofaktoren ermittelt, die zusammen fünfunddreißig Prozent der Risiken für Alzheimer kontrollieren. Der Rest ist genetisch. Depression ist der größte externe Risikofaktor. Wir müssen auf soziale Kontakte achten. Bewegung ist der andere wichtige Faktor. Warum? Weil unser Gehirn evolutionär entwickelt wurde, um Bewegungen zu kontrollieren. Wenn wir gehen, aktivieren wir unser inneres GPS, die Orts- und Zeitzellen im Gehirn. Ohne diese Zellen gibt es kein episodisches Gedächtnis. Seescheiden im Meer, die festsitzen und sich nicht mehr bewegen, verlieren ihr Gehirn. Deren Larven haben aber ein Gehirn, um zum sicheren Meeresgrund zu schwimmen zu können. Das Gehirn entstand ursprünglich für Bewegung. Beim Gehen bilden sich zudem neue Muskeln und die müssen durch Nerven mit dem Gehirn verbunden werden. Dazu benötigen wir BDNF, das aus den Astrozyten im Gehirn kommt. Unter Doppelfunktion, wenn wir beim Gehen gleichzeitig rechnen oder gehen und konzentriert Musik hören, werden neue Synapsen gebildet. Das wiederum führt dazu, dass wir mehr Amyloid im Gehirn tolerieren und nicht so schnell erkranken. Fettsucht im mittleren Alter und Bluthochdruck können auch Risikofaktoren sein, dann vor allem fehlende intellektuelle Stimuli, soziale Isolation, Rauchen und Diabetes. Man kann die Risikofaktoren grob zusammenfassen, indem man sagt: Wenn Sie etwas für ihr Herz tun, machen Sie etwas gegen Alzheimer.

Herr Demetrius, schützen Sie auch ihre Mitochondrien?

Demetrius: Ich bin aktiv, bewege mich. Ich lerne auch immer noch gerne dazu.

Beyreuther: Es gibt sogar Medikamente, die die Mitochondrien schützen.

Dennoch wird in der Alzheimerszene nur ein Bruchteil in die Mitochondrien-Forschung gesteckt.

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