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Strahlung der 5G-Handys : Die Bedenken schwingen mit

  • -Aktualisiert am

Aufrüstung: Mit einem 5G-Antennenelement wird dieser Mobilfunkmast in Bern für das neue Zeitalter fit gemacht. Bild: dpa

Der Mobilfunkstandard der fünften Generation wird unseren Alltag verändern. Doch manche Wissenschaftler warnen vor den unbeabsichtigten Folgen der Strahlung dahinter.

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          In einer ausgemusterten Kaserne in Mainz jagen dieser Tage vier Firmen der Zukunft nach. Die Bundesnetzagentur versteigert dort Sendelizenzen für den Mobilfunkstandard der fünften Generation, kurz 5G. Vertreter der mitbietenden Unternehmen sitzen in abgeschirmten Räumen und geben ihre Gebote für Frequenzblöcke ab. Insgesamt 5,6 Milliarden Euro haben sie bis zum 1. Mai geboten. Noch ist nichts entschieden. Am Montag geht die Auktion nach einer Pause weiter.

          Die Frequenzblöcke sind Abschnitte des elektromagnetischen Spektrums. Wer sie ersteigert, darf auf diesen Frequenzen Daten auf neuartige Weise übertragen. Im Vergleich zu früheren Standards bietet 5G größere Bandbreiten bei kleineren Verzögerungen in der Datenübertragung. Damit könnten etwa Fußballfans ihr Smartphone auf das Feld richten und Echtzeitinformationen zu den Spielern erhalten, oder selbstfahrende Autos könnten miteinander kommunizieren. Doch das ist nur eine Seite. Denn nun ist die Diskussion über etwaige Gesundheitsgefahren des Mobilfunks wieder aufgeflammt.

          Krebs durch Radiostrahlen ist physikalisch unplausibel

          Derzeit gibt es gerade einmal eine Handvoll kommerzieller 5G-Netze, etwa in Südkorea, einigen amerikanischen Städten, der Schweiz und in Österreich. Der Widerstand ist jedoch global. Gut 80000 Personen haben einen Appell an die Vereinten Nationen unterzeichnet, den 5G-Ausbau zu stoppen. In der Schweiz haben die Parlamente zweier Kantone ein 5G-Moratorium erwirken wollen. Und die Stadt Brüssel weigerte sich, ihre besonders strengen Strahlungsgrenzwerte zu lockern, damit ein 5G-Pilotprojekt möglich wird.

          Was ist dran an diesen Bedenken? Die Weltgesundheitsorganisation WHO beantwortet das eindeutig: Bisher seien keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks bekannt. Dergleichen ist auch unplausibel. Egal, ob 5G oder ältere Standards, Handys nutzen nichtionisierende Strahlung, und die hat zu wenig Energie, um Elektronen von Atomen oder Molekülen abzureißen. Somit könne sie auch kein Erbgut schädigen und Krebs verursachen. Laut WHO ist ihr dominanter Effekt auf den menschlichen Körper eine Erwärmung des Gewebes bis in einige Millimeter unter der Haut. Tiefer dringt Strahlung dieser Frequenzen nicht in den Körper ein.

          Das, was es klären könnte, ist bei Menschen tabu

          Aber gibt es nicht doch unbekannte Langzeiteffekte? Hier beruft sich die WHO auf die Internationale Agentur für Krebsforschung, welche elektromagnetische Felder als „möglicherweise karzinogen“ einstuft. Im Klartext: Hier seien krebsfördernde Effekte vielleicht möglich, Zweifel jedoch angebracht. Ein Blick auf die Studien zu dem Thema verrät, warum das so ist. Tatsächlich weisen einige Arbeiten auf einen Zusammenhang zwischen bestimmten Krebsarten und intensiver Handynutzung hin. Dabei handelt es sich aber um Fall-Kontroll-Studien. Dabei betrachtet man Personen, die bereits Krebs haben, und sucht rückblickend nach einer möglichen Ursache. Die Aussagekraft solcher Erhebungen ist begrenzt. Besser geeignet sind Kohortenstudien, bei denen Testpersonen und deren Handynutzung über Jahre hinweg beobachtet werden. Solche Studien liefern keine Anzeichen für eine krebsfördernde Wirkung von Handys. Eine große britische Untersuchung legt jedoch zumindest ein leicht erhöhtes Risiko für einen gutartigen Tumor des Hörnervs nahe.

          Das schwerste Geschütz der Forschung wäre die randomisierte kontrollierte Studie. Dafür aber müsste man Probanden zufällig auswählen und sie unterschiedlicher Handystrahlung aussetzen. Mit Menschen ist so etwas nicht umsetzbar, also greift man auf Tierversuche zurück. Eine umfassende Studie dieser Art haben amerikanische Forscher des „National Toxicology Program“ (NTP) vorgelegt. Sie ließen in der Schweiz spezielle Kammern entwickeln, um darin Ratten und Mäuse mit Funkwellen genau definierter Stärke zu bestrahlen. Das Ergebnis erschien letztes Jahr: Lediglich männliche Ratten entwickelten bei starker Belastung Tumore im Herzen. Außerdem fand die Studie weitere, jedoch weniger eindeutige Hinweise auf andere Krebsarten. Unklar ist die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen, zumal die Ratten der Strahlung am ganzen Körper ausgesetzt waren. Bei einem Menschen konzentriert sich die Belastung dort, wo er gerade sein Handy trägt.

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