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Stomatologie : Wie finde ich meinen Zahnarzt?

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Jeder Zehnte hat eine Zahnarztphobie

Nach diesem Erlebnis ging ich erst einmal gar nicht mehr zum Zahnarzt. Ich hatte mittlerweile das, was man eine Zahnbehandlungsphobie nennt. Es wird geschätzt, dass fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung unter dieser psychischen Störung leiden. Weitere zwanzig Prozent haben Umfragen zufolge große Angst vor dem Zahnarzt. Der glückliche Rest spürt bloß Unbehagen, wenn ihm ein Termin bevorsteht. Man kann dem Phobiker mit einer Vollnarkose kommen, aber das macht die Behandlung schwieriger, ist nicht ohne Risiko und ändert nichts an seiner Phobie. Manche Zahnärzte bieten Hypnose an. Doch hat sich im Rahmen einer Therapiestudie der Bergischen Universität Wuppertal gezeigt, dass weniger als die Hälfte der Patienten, die in Trance versetzt wurden, noch zu einem zweiten Behandlungstermin anrückte. Am besten scheint eine speziell zugeschnittene Verhaltenstherapie zu wirken, bei der der Phobiker Schritt für Schritt mit seinen Ängsten konfrontiert wird und dabei lernt, sie als irrational zu betrachten. Der Bochumer Zahnmediziner Peter Jöhren, der sich auf Dentalphobien spezialisiert und an der Therapiestudie maßgeblich mitgewirkt hat, berichtet von erstaunlichen Erfolgen: Schon nach einer einzigen Sitzung, die nicht länger als zwei bis drei Stunden dauert, könnten mittelfristig mehr als zwei Drittel der Betroffenen von ihrer Phobie geheilt werden.

Bei mir war es ein ganz normaler, aber kompetent wirkender Zahnarzt, der mich irgendwann zu einer Sanierung meines Gebisses überreden konnte. Zu seiner Autorität trug nicht unwesentlich bei, dass er einen schwerreichen Hamburger Verleger unter seinen Patienten hatte. Der Mann erkundigte sich nach meinem Beruf, ordnete ihn gleich richtig dem „fahrenden Volk“ zu und sagte: „Wir machen jetzt mal das, was ich sage.“ So kam ich nacheinander in den Genuss einer professionellen Zahnreinigung durch eine in der Schweiz ausgebildete Dentalhygienikerin sowie in den Besitz mehrerer Unzen Zahngold in Form von Inlays und Brücken. Ich fragte zum Abschluss der Behandlung, wie lange das halten wird. „Wenn Sie gesund bleiben, zwanzig Jahre“, war die Antwort.

Die Arbeit dieses Fachmanns ist seither immer mal wieder von Kollegen bewundert worden. Meist mit der Bemerkung, dass so viel Gold heute nicht mehr in Frage käme, Keramik sei viel besser. Das führt zu dem Problem, überhaupt einen guten Zahnarzt zu finden. Wer häufiger umzieht, kann ein Lied davon singen. Meist ist man auf Tipps von Kollegen oder Bekannten angewiesen. An der Auswahl besteht zwar kein Mangel, schließlich praktizieren in Deutschland fast 70 000 niedergelassene oder angestellte Zahnmediziner. Und es werden vermutlich noch mehr, denn seit 2007 ist die Begrenzung der Niederlassungen abgeschafft. Allein im näheren Umkreis der Bankentürme von Frankfurt finden sich an die dreihundert Zahnärzte. Zu welchem davon soll man gehen? Das Internet hilft hier auch nicht groß weiter - ein Bewertungsportal wie Jameda, immerhin TÜV-zertifiziert und mehrfacher Testsieger, kennt praktisch nur Noten zwischen eins und eins minus.

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