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Stomatologie : Wie finde ich meinen Zahnarzt?

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Ob Letzteres ein Segen ist, kann man bezweifeln. Dringend nötig ist eine Korrektur von Zahnfehlstellungen in den allermeisten Fällen nicht. Aber die Kieferorthopäden verdienen gut daran, die Jugendlichen wollen sie haben, weil die anderen eben auch eine tragen, und die Eltern wollen wie immer nur das Beste. Wissenschaftliche Studien haben bislang keinen großen Nutzen zutage gefördert, aber belastbare Studien sind in der Zahnmedizin ohnehin rar. Zahnspangen dienen weniger der Zahngesundheit, sondern in erster Linie der Zahnästhetik. Beim Bleichen oder Verblenden der Zähne mit sogenannten Veneers ist das sogar der einzige Zweck. Wenn dabei geschliffen oder nachlässig gearbeitet wird, können die Kauwerkzeuge durchaus Schaden nehmen. Teuer ist das Ganze so oder so, denn die Kassen zahlen nur in begründeten Fällen, was dazu geführt hat, dass ein strahlendes Lächeln heute als Statussymbol gilt für jemanden, der tief in die Tasche greifen kann.

Wurzelbehandlungen kann auch nicht jeder

Mit neunzehn kam ich zur Bundeswehr. Und damit zu einer besonders intensiven Begegnung mit der Zahnheilkunde. Während einer Truppenübung in der Lüneburger Heide bekam ich rasende Zahnschmerzen und wurde in den Sanitätsbereich nach Munster verfrachtet, wo zwei Stabsärzte sich gutgelaunt über meinen vereiterten M 15 hermachten. Sie bohrten ein bisschen, präparierten irgendetwas hinein und schickten mich zurück in meine Einheit. Das war im Spätsommer. Im darauffolgenden Winter fuhr ich mit meiner Freundin in die Alpen. Auf der Rückreise verwandelte sich der bis dahin nur sporadisch wahrgenommene Schmerz im besagten Backenzahn in höllische Qual. Aspirintabletten kauend, schaffte ich es gerade noch zum zahnärztlichen Notdienst. Den versah zufällig ein Arzt, der sich auf die damals in Mode kommenden Implantate kapriziert hatte. Überall in seiner edlen Praxis hingen Aufnahmen von perfekten Gebissen. Extraktionen hingegen waren nicht nach seinem Geschmack. Nachdem er den Molar mühsam bezwungen hatte, gab er mir zu verstehen, dass die Stabsärzte mich besser darauf hingewiesen hätten, dass die arsenhaltige Füllung, die sie mir zum Zwecke der Wurzelabtötung verabreicht hatten, spätestens nach ein paar Tagen wieder heraus gehört hätte.

Wurzelbehandlungen sind eine heikle Sache. Der behandelnde Arzt braucht dazu Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Er muss den Nerv vollständig entfernen, was aus anatomischen Gründen nicht immer gelingt, er muss die Wurzelkanäle sorgfältig reinigen und bakteriendicht verschließen. Häufig genug geht das schief. Aus diesem Grund existiert ein eigenes Fachgebiet, die Endodontologie, die sich ausschließlich mit dem Innenleben der Zähne beschäftigt. Die Erfolgsaussichten einer Wurzelkanalbehandlung schwanken, wie es in einer wissenschaftlichen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) heißt. Je nach Befund liegen sie zwischen 50 und 95 Prozent. In meinem Fall war sonnenklar, zu welchem Prozentsatz ich gehörte.

Der Notarzt schob einen Tampon in die Wunde, drückte mir ein paar Schmerztabletten in die Hand und schickte mich nach Hause. Dort hörte es nicht auf zu bluten. Ich stopfte mir ein Geschirrhandtuch in den Mund, aber auch das war bald durchtränkt. Eine Rührschüssel unter das Kinn haltend, in die ich von Zeit zu Zeit größere Mengen Blut spuckte, machte ich mich erneut auf, um im Wartezimmer die Patienten zu erschrecken. Der Arzt war nicht erfreut, mich wiederzusehen. Er hat es dann doch irgendwie in den Griff bekommen.

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