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Stammzelltherapie : Frei von Krebs und HIV

Auf der Suche nach neuen Strategien

Eine dieser neuen Strategien nennt sich „shock and kill“, eine andere setzt auf breit neutralisierende Antikörper. Aber in Seattle ging es in der vergangenen Woche nicht nur um wundersame Einzelfälle oder experimentelle Therapien, sondern auch um ganz grundsätzliche Probleme. Wie lassen sich jene Betroffenen finden und behandeln, die noch gar nichts von ihrer Infektion wissen? In Afrika wurde zwar mehr erreicht, als man vor zwanzig Jahren zu hoffen gewagt hatte. Doch den Experten bereiten jetzt die Zahlen der Neuinfektionen in Osteuropa und Asien Sorgen. Sie befürchten außerdem, dass angesichts der scheinbar stabilen Aids-Situation in einigen Ländern dort zukünftig weniger finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um Betroffenen den Zugang zu Tests und Therapien zu ermöglichen. „Wir befinden uns in einer kritischen Phase“, sagte Behrens, der davor warnt, die Krankheit voreilig zu bagatellisieren. Bliebe sie unbehandelt, sei sie nicht weniger schlimm als in der Anfangsphase der Epidemie in den 1980er Jahren.

An diese Zeit voller Schrecken, in der man weder einen Namen für die Immunschwäche hatte, noch ahnte, um was für einen Erreger es sich überhaupt handelt und wie man das Leben der Patienten retten kann, erinnerte der amerikanische Immunologe Anthony Fauci in seiner Eröffnungsrede. Trotz seiner 78 Jahre wirkte der Direktor des „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ bemerkenswert dynamisch, als er in Seattle das neue Programm vorstellte, das der Aids-Epidemie in den Vereinigten Staaten ein Ende setzen soll. War man anfangs froh, wenn Infizierte noch ein, zwei Jahre nach ihrer Diagnose überlebten, so sind durch wirkungsvolle Therapien jetzt mehr als fünfzig Jahre möglich, sofern sie richtig behandelt werden.

In Amerika leben schätzungsweise 1,1 Millionen Infizierte, von denen 14 Prozent nicht wissen, dass sie HIV in sich tragen. Noch immer würden sich jedes Jahr mehr als 38.000 Menschen anstecken, davon sei ein Fünftel keine 25 Jahre alt, sagte Fauci. Theoretisch habe man aber alle Instrumente in der Hand und nach wie vor die moralische Verantwortung, um mit Prävention und Therapien gegen das epidemische Geschehen vorzugehen. Dabei seien sowohl demographische als auch geographische Besonderheiten zu berücksichtigen, doch Fauci ist zuversichtlich, dass sein Land flächendeckend erreichen kann, was in Städten wie San Francisco und Washington schon gelungen ist: Dort konnte die Rate der Neuinfektionen eindrucksvoll gesenkt werden.

Weitere Informationen:

www.croiconference.org

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