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Demenz-Risiko rückläufig? : Bildet und bewegt euch

  • -Aktualisiert am

Sport ist gut für den Körper - und deshalb auch als Demenz-Vorsorge sinnvoll. Bild: dpa

Immer mehr Ältere, immer mehr Demenz-Kranke? Stimmt so vielleicht gar nicht, zeigt eine neue Langzeitstudie. Die Amerikaner entdecken Bildung als wirksame Waffe gegen den Hirnverfall.

          Die Demenzforschung kann ausnahmsweise einmal mit einer guten Nachricht aufwarten. Anders als befürchtet nimmt offenbar die Gefahr, an Demenz zu erkranken, demnach nicht weiter zu. Wenn sich der amerikanische Trend auch anderswo bestätigt, scheint das Demenzrisiko für viele Menschen sogar zu sinken. Dass sich der Kreis der Betroffenen dennoch laufend vergrößert, liegt an einem ebenfalls positiven Trend - dem Anstieg der Lebenserwartung und damit der Zahl an Personen, die ein hohes Lebensalter erreichen.

          Schon seit geraumer Zeit gibt es einzelne Hinweise, dass die wegen der steigenden Lebenserwartung befürchtete Flut an Demenzkranken („Demenz-Tsunami“) vielleicht ausbleibt - oder zumindest weniger große Wellen schlagen könnte als bislang vermutet. Wenngleich ermutigend, basieren diese positiven Signale allerdings noch immer nur auf kleinen Stichproben und auf den Ergebnissen regionaler Erhebungen. Ungewiss ist deshalb, ob sie nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen oder die Allgemeinheit gelten.

          Große Studie gibt leichte Entwarnung

          Um mehr Klarheit bemüht, hatten amerikanische Wissenschaftler die Daten einer großen amerikanischen Langzeituntersuchung, der 1992 begonnenen Health and Retirement Study, nach einschlägigen Indizien durchforstet. Ihr Augenmerk richteten sie dabei auf die Kohorten der Jahre 2000 und 2012. Diese umfassten jeweils rund 10 500 Männer und Frauen im durchschnittlichen Alter von 75 Jahren.

          Wie die Studienautoren um Kenneth Langa von der University of Michigan in Ann Arbor im Fachblatt „Jama Internal Medicine“ (doi: 10.1001/jamainternmed.2016.6807) berichten, fiel der Anteil an Demenzkranken zwischen 2000 und 2012 von knapp zwölf auf rund neun Prozent - und das, obwohl 2012 vergleichsweise mehr Personen 85 Jahre oder älter waren. Vom Rückgang des Demenzrisikos profitierten zudem nicht nur einzelne, sondern alle Altersgruppen. So sank der Anteil der Betroffenen bei den 65- bis 74-Jährigen von rund 5 auf 3 Prozent, bei den 75- bis 84-Jährigen von knapp 14 auf 10 Prozent, und bei den Hochbetagten von 34 auf 30 Prozent.

          Erstaunlich ist dieses Ergebnis insofern, als die Häufigkeit demenzfördernder Risikofaktoren über die Jahre hinweg zunahm. Unter anderem erhöhte sich der Anteil an Personen mit Übergewicht, Hochdruck und Typ-2-Diabetes. Gerade der „Alterszucker“ treibt die Demenzgefahr nachhaltig voran. Das bestätigen nicht zuletzt auch die Auswertungen der Studienautoren. Denn wie sie zeigen, erkrankten die zuckerkranken Probanden bedeutend häufiger an einer Demenz als die Senioren mit normalem Glukosestoffwechsel.

          Schrumpfendes Hirn: Normales Gehirn eines 70jährigen (rechts) und eines gleichaltrigen Alzheimer-Patienten.

          Bildung und medizinischer Fortschritt als Waffe

          Wie aber lässt sich dann der Demenzrückgang erklären? Ursächlich hierfür könnten einerseits die längeren Ausbildungszeiten und andererseits die Tatsache sein, dass sich andere Demenz fördernde Krankheiten - dazu zählen insbesondere Herz-Kreislaufkrankheiten - inzwischen besser angehen lassen als in der Vergangenheit. So stieg die Zahl gutausgebildeter Personen über die Jahre hinweg merklich an. Hatten im Jahr 2000 noch 33 Prozent der Probanden weniger als zwölf Jahre lang die Schulbank gedrückt, waren es im Jahr 2012 nur noch knapp 21 Prozent. Zugleich erhöhte sich der Anteil an Teilnehmern, die mehr als 16 Jahre lang in Ausbildung waren, von 17 auf 24 Prozent.

          Viele Beobachtungen legen nahe: Bildung ist eine wirksame Waffe gegen den geistigen Verfall. Sie schützt offenbar insbesondere vor der Alzheimerkrankheit, der mit Abstand häufigsten Demenz. Ein wesentlicher Grund hierfür scheint zu sein, dass das Gehirn den Untergang von Nervenzellen in dem Fall länger zu kompensieren vermag. Wie Andreas Maercker vom Psychologischen Institut der Universität Zürich sagt, dürfte die Demenzrate in den letzten Jahren auch deshalb zurückgegangen sein, weil Herz-Kreislauf-Krankheiten inzwischen erst in einem höheren Lebensalter auftreten und sich obendrein besser behandeln lassen. Das gilt nicht zuletzt auch für Diabetes. Wenngleich erfreulich, sind die Ergebnisse der amerikanischen Studie kein genereller Grund zur Entwarnung.

          Der Weltgesundheitsorganisation zufolge leiden derzeit weltweit rund 48 Millionen Menschen an Demenz. Jedes Jahr könnten, wenn sich die Prognosen erfüllen, weitere 7,7 Millionen Betroffene hinzukommen - es sei denn, die Wissenschaft findet bald ein Heilmittel.

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