https://www.faz.net/-gwz-97s60

Schonendes Krebsscreening : Ballons in der Speiseröhre

  • -Aktualisiert am

Mit Hilfe dieses Ballons lässt sich Speiseröhrenkrebs schon im Frühstadium erkennen. Bild: Case Western Reserve University School of Medicine

Bei Speiseröhrenkrebs hat sich ein bösartiger Tumor in der Schleimhaut gebildet. Zur Diagnose nutzt man bislang die Magenspiegelung. Schonender ist ein Ballonverfahren, das nur wenige Minuten in Anspruch nimmt.

          1 Min.

          Mit einem neuen Verfahren lässt sich ein Barrett-Ösophagus, eine Vorstufe von Speiseröhrenkrebs, offenbar schnell und zuverlässig erkennen, und das ohne endoskopischen Eingriff. Hierfür sprechen jedenfalls die Ergebnisse einer Studie von Forschern um Sanford Markowitz vom Cleveland Medical Center in Cleveland/Ohio. Kern der neuen Methode ist ein auf einem dünnen Silikonschlauch sitzender Ballon, den man über die Zufuhr von Luft vergrößern und so zur Gewinnung von Gewebematerial nutzen kann.

          Verpackt in einer pillengroßen Kapsel, wird der Ballon vom Patienten geschluckt und anschließend langsam aus dem Schlund herausgezogen. Im unteren Bereich der Speiseröhre, wo ein beständiger Übertritt von Magensäure zu zellulären Entartungen führen kann, wird der Ballon kurzzeitig aufgebläht. Ziel des Manövers ist es, Zellen von der Oberfläche des gefährdeten Abschnitts im Ösophagus abzukratzen, um darin nach verdächtigen Veränderungen fahnden zu können.

          Krebsscreening mit großem Potential

          Markowitz und seine Kollegen richteten bei ihren Studien ihr Augenmerk dabei auf bestimmte chemische Veränderungen der DNA, sogenannte epigenetische Marker. Dabei geht es um die starke Anreicherung von Methylgruppen, die typisch für die gesuchten Entartungen sind. Wie die Mediziner in der Zeitschrift „Science Translational Medicine“ schreiben, gelang es auf diese Weise, den – zuvor mit Hilfe eines Endoskops nachgewiesenen – Barrett-Ösophagus bei 90 Prozent der 86 untersuchten Patienten zu identifizieren. Da der Zeitaufwand jeweils nur etwa fünf Minuten betragen habe, eignet sich das Verfahren den Wissenschaftlern zufolge möglicherweise für eine bevölkerungsweite Krebsvorsorge.

          Auch Joachim Labenz, Direktor des Diakonie-Klinikums in Siegen, hält es für sinnvoll, mit einer nicht invasiven Screening-Methode systematisch nach einem Barrett-Ösophagus zu fahnden, zumindest gilt das bei Personen mit erhöhtem Risiko für solche Entartungen. Unklar sei bislang allerdings noch, ob das von den amerikanischen Forschern um Markowitz vorgestellte Verfahren in der täglichen Arztroutine ähnlich exzellente Ergebnisse erzielt wie in der aktuellen Studie.

          Weitere Themen

          Elektronik zum Verbiegen

          Organische Halbleiter : Elektronik zum Verbiegen

          Organische Halbleiter sind auf dem Vormarsch. Sie bilden die Grundlage biegsamer Displays und Solarzellen. Nun erobern sie High-Tech-Anwendungen, die dem sprödem Silizium verwehrt sind.

          Ein Museum fürs Gärtnern

          Ab in die Botanik : Ein Museum fürs Gärtnern

          Eine grüne Oase mitten in London: Einst Kirche, heute ein Museum, das den britischen Gärten und dem Gärtnern selbst gewidmet ist.Und hier sind keinesfalls nur rostige Gießkannen zu bestaunen.

          Topmeldungen

          Dank eines Modellprojektes darf dieser Club im baden-württembergischen Ravensburg öffnen.

          Corona in Deutschland : Mit Feierfreude in die vierte Welle

          Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen. Das liegt an mangelnder Impfbereitschaft. Auch größere Sorglosigkeit der Menschen spielt ein Rolle. Das RKI sieht eine vierte Welle heranrollen.
          Der Schalker Drexler (rechts) setzt Reis zu.

          Zweite Bundesliga : Happy End für den HSV

          Zum Start in die neue Zweitligasaison siegt der HSV vor 20.000 Zuschauern bei Schalke 04 mit 3:1. Dabei sah es für die Hamburger Gäste zu Beginn nicht gut aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.