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Schonendes Krebsscreening : Ballons in der Speiseröhre

  • -Aktualisiert am

Mit Hilfe dieses Ballons lässt sich Speiseröhrenkrebs schon im Frühstadium erkennen. Bild: Case Western Reserve University School of Medicine

Bei Speiseröhrenkrebs hat sich ein bösartiger Tumor in der Schleimhaut gebildet. Zur Diagnose nutzt man bislang die Magenspiegelung. Schonender ist ein Ballonverfahren, das nur wenige Minuten in Anspruch nimmt.

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          Mit einem neuen Verfahren lässt sich ein Barrett-Ösophagus, eine Vorstufe von Speiseröhrenkrebs, offenbar schnell und zuverlässig erkennen, und das ohne endoskopischen Eingriff. Hierfür sprechen jedenfalls die Ergebnisse einer Studie von Forschern um Sanford Markowitz vom Cleveland Medical Center in Cleveland/Ohio. Kern der neuen Methode ist ein auf einem dünnen Silikonschlauch sitzender Ballon, den man über die Zufuhr von Luft vergrößern und so zur Gewinnung von Gewebematerial nutzen kann.

          Verpackt in einer pillengroßen Kapsel, wird der Ballon vom Patienten geschluckt und anschließend langsam aus dem Schlund herausgezogen. Im unteren Bereich der Speiseröhre, wo ein beständiger Übertritt von Magensäure zu zellulären Entartungen führen kann, wird der Ballon kurzzeitig aufgebläht. Ziel des Manövers ist es, Zellen von der Oberfläche des gefährdeten Abschnitts im Ösophagus abzukratzen, um darin nach verdächtigen Veränderungen fahnden zu können.

          Krebsscreening mit großem Potential

          Markowitz und seine Kollegen richteten bei ihren Studien ihr Augenmerk dabei auf bestimmte chemische Veränderungen der DNA, sogenannte epigenetische Marker. Dabei geht es um die starke Anreicherung von Methylgruppen, die typisch für die gesuchten Entartungen sind. Wie die Mediziner in der Zeitschrift „Science Translational Medicine“ schreiben, gelang es auf diese Weise, den – zuvor mit Hilfe eines Endoskops nachgewiesenen – Barrett-Ösophagus bei 90 Prozent der 86 untersuchten Patienten zu identifizieren. Da der Zeitaufwand jeweils nur etwa fünf Minuten betragen habe, eignet sich das Verfahren den Wissenschaftlern zufolge möglicherweise für eine bevölkerungsweite Krebsvorsorge.

          Auch Joachim Labenz, Direktor des Diakonie-Klinikums in Siegen, hält es für sinnvoll, mit einer nicht invasiven Screening-Methode systematisch nach einem Barrett-Ösophagus zu fahnden, zumindest gilt das bei Personen mit erhöhtem Risiko für solche Entartungen. Unklar sei bislang allerdings noch, ob das von den amerikanischen Forschern um Markowitz vorgestellte Verfahren in der täglichen Arztroutine ähnlich exzellente Ergebnisse erzielt wie in der aktuellen Studie.

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