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Sexualmedizin : Die Lustspritze

Nicht für jede Frau ist sexuelle Erregung selbstverständlich. Manche gehen deshalb zum Psychiater - und wünschen sich ein simples Mittel für mehr Spaß. Bild: Getty

Ein neues Medikament wird in Amerika zugelassen, um die weibliche Libido zu steigern. Auch Europäerinnen sollen bald in den fragwürdigen Genuss von Vyleesi kommen.

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          Eine Party in Manhattan. Plastikpflanzen und rosa Neonröhren schmücken die Wände des Spring Studios. In großen weißen Lettern prangt dort das Selfie-taugliche Motto des Abends: #unblush, schamlos. Davor posieren junge Frauen und trinken Champagner, die Fotos posten sie auf Instagram. Auf der Bühne sitzen eine oscarprämierte Filmproduzentin, eine berühmte Frauenaktivistin und eine Gynäkologin. Sie diskutieren über Sex. Ohne Schamesröte. Womöglich ist ihr Thema eines der letzten Tabus: Frauen, die kein Verlangen nach Sex haben und darunter leiden. Es ist aber kein feministisches Forum, sondern eine Werbeveranstaltung der Firma AMAG Pharmaceuticals – für eine Krankheit und ihr Gegenmittel. Im September kommt „Vyleesi“ zur Behandlung von weiblichen Libidostörungen auf den Markt. Spritzen sollen bei Frauen ein Feuer entfachen, wo es seit Jahren nur noch glimmt.

          In den Vereinigten Staaten wurde das Präparat am 21. Juni von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. Die pink-schwarze Verpackung lässt eher Pralinen darin vermuten als Autoinjektoren, mit denen Frauen sich selbst Vyleesi in den Oberschenkel oder in den Bauch spritzen, mindestens 45 Minuten vor dem Sex. Es ist nach Addyi das zweite Medikament, das den Ansprüchen der FDA genügt, um Amerikanerinnen vor der Menopause von einer krankhaften sexuellen Unlust zu befreien, einer Hypoactive Sexual Desire Disorder, kurz HSDD. In Europa will die Firma Palatin Pharmaceuticals das Verfahren Ende des Jahres einleiten. Würde Vyleesi zugelassen, wäre es das Erste dieser Art, dabei zeigten klinische Studien nur mäßige Erfolge. Lediglich ein Viertel der Teilnehmerinnen verspürte ein gesteigertes sexuelles Verlangen, Übelkeit und Kopfschmerzen traten stattdessen viel häufiger auf. Und doch soll ein solches Präparat manchen Frauen helfen können.

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