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Seuche : Von Menschen und Schweinen

Afrikanischen Warzenschweinen schadet das Virus nicht, Europas Wild- und Hausschweine hingegen erliegen der Infektion. Bild: Michael Kretzer

Die Afrikanische Schweinepest grassiert in Osteuropa und droht weiter nach Westen zu wandern. Das will man verhindern. Nur wie?

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          Von Pürzelprämien, erhöhten Abschussquoten, aufgehobenen Schonzeiten und Drückjagden ist auf einmal die Rede. In Mecklenburg-Vorpommern können sich auch Jagdhundeführer für ihren Aufwand entschädigen lassen, in Polen gibt es sechs Tage Sonderurlaub: für die Wildschweinjagd. Was Obelix, den Gallier, begeistern würde und der Präsident des deutschen Bauernverbandes vehement fordert, halten andere für Propaganda: Keine Sau sei verantwortlich, sondern der Mensch, sollte die Afrikanische Schweinepest tatsächlich demnächst auch in die Bundesrepublik eingeschleppt werden.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Bedrohung ist real. Diese Tierseuche rangiert in der höchsten Gefahrenstufe. Und sie „rollt auf Deutschland zu“, wie die „Bild“ vergangenen Mittwoch warnte, die Angst um ihre Zucht- und Masttiere lasse die Bauern zittern. Nicht ganz unbegründet, denn bei einem Ausbruch müssen sie mit einer Stilllegung ihrer Betriebe in den betroffenen Regionen rechnen, mit Reglementierungen und finanziellen Einbußen, für manche würde es wohl den Ruin bedeuten. Tritt der Ernstfall ein, würden Sperrbezirke ausgerufen und Nutztiere massenhaft gekeult. Die Exporte brächen ein. Im Jahr 2015 gingen immerhin rund 2,9 Millionen Tonnen deutsches Schweinefleisch ins Ausland – nach Italien oder China, damit wäre es dann vorbei. Selbst die Bundesbürger, die pro Kopf durchschnittlich fünfzig Kilogramm Schwein im Jahr verbrauchen, würden wahrscheinlich häufiger auf Schnitzel, Schinken oder Speck verzichten. Wobei zumindest keine direkte Gefahr für die eigene Gesundheit bestünde: Menschen erkranken nicht an dem exotischen Erreger, der in Europa vor allem über Blut und Sekrete von Schwein zu Schwein übertragen wird.

          Noch fehlt ein Impfstoff

          Erreger der Afrikanischen Schweinepest ist ein ungewöhnlich großes, komplexes DNA-Virus aus der Familie der Asfarviridae, zu der nur dieser eine Vertreter zählt. „Für europäische Schweine ist eine Infektion meist tödlich, während afrikanische Busch- oder Warzenschweine, die das angestammte Reservoir bilden, kaum darunter leiden. Warum das so ist, wird noch untersucht“, erklärt Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostsee-Insel Riems. Hier hat das Nationale Referenzlabor für die Afrikanische Schweinepest seinen Sitz, und gleich vier Einrichtungen beschäftigen sich von der Diagnostik und Epidemiologie bis hin zur Immunologie und Molekularbiologie akut mit diesem Fieber. Bislang gibt es trotz jahrzehntelanger Forschung weder eine Behandlung noch eine Impfung. Das ist im Falle der nicht minder gefürchteten Klassischen Schweinepest, die in Deutschland zuletzt 2006 bei Hausschweinen aufgetreten ist, etwas anders: Diese ruft zwar ähnliche Symptome wie Durchfall, Schwäche, Blutungen und erhöhte Temperaturen hervor, weshalb es zu Verwechslungen kommen kann. Aber die Erkrankung wird von anderen Viren verursacht, außerdem existieren Impfstoffe.

          Noch schützen uns ein paar hundert Kilometer Abstand zum Geschehen in Tschechien. Deutschland am nächsten liegt der Ausbruch im Bezirk Zlín nahe der slowakischen Grenze, wo der aggressive Erreger seit Ende Juni 2017 unter den Wildschweinen grassiert, Hausschweine jedoch bisher verschont blieben. Anders als in Polen sowie den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland, in denen immer wieder auch Nutztiere der Afrikanischen Schweinepest erliegen, die dort über vier Jahre ihr Unwesen treibt. Der Seuchenzug nahm 2007 in Georgien am Schwarzen Meer seinen Anfang, weil wahrscheinlich verseuchte Speiseabfälle in Hafennähe entsorgt wurden. Reger Schiffsverkehr hatte Viren aus dem südöstlichen Afrika dorthin verfrachtet. Sie breiteten sich anschließend über die Nachbarländer und die Russische Föderation aus, gelangten nach Weißrussland und in die Ukraine, bis sie 2014 die ersten Staaten im Osten der EU erreichten.

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