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Notfallmedizin : Fatale Attacken des Immunsystems

  • -Aktualisiert am

Wie kann man eine Sepsis verhindern? In einem Labor wird eine Blutprobe für einen Gerinnungstest vorbereitet. Bild: dpa

Eine Blutvergiftung gehört zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Trotzdem erfolgen Therapie und Diagnose der Sepsis immer noch zu langsam. Wie kommt das?

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          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, als vorrangiges Gesundheitsproblem erkannt und die Weltgemeinschaft aufgefordert, die oft tödlich verlaufende Krankheit nachhaltiger als bisher anzugehen. Dies ist ein wichtiger Etappensieg der Global Sepsis Alliance, die sich seit vielen Jahren aktiv für die wachsende Zahl an Betroffenen engagiert. In unseren Breiten ist die Sepsis die häufigste vermeidbare Todesursache. Sie entsteht, wenn eine Infektion aus dem Ruder läuft und das Immunsystem neben dem Erreger auch das körpereigene Gewebe attackiert.

          Um den Patienten vor schweren, oft tödlichen Organschäden zu bewahren, muss der Arzt in dem Fall umgehend handeln. Zu den wichtigsten therapeutischen Schritten zählen dabei eine Behandlung mit Antibiotika, die Infusion von Flüssigkeit zur Stabilisierung des Kreislaufs und die Beseitigung des Infektionsherds. Diese lebensrettenden Maßnahmen kommen allerdings häufig zu spät. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 280.000 Erwachsene und Kinder an einer Sepsis, und etwa 70.000 sterben daran. Dennoch erhält dieses schwere und zugleich kostspielige Leiden – die hiesigen Behandlungskosten liegen bei 7,8 Milliarden Euro im Jahr – bislang nur wenig Aufmerksamkeit.

          Ein Fanal für diesen Missstand ist das Scheitern der „Medusa“-Studie, an der bundesweit 40 Krankenhäuser mit zusammen mehr als 4000 Patienten beteiligt waren. Hier sollte geklärt werden, ob ein beschleunigter Therapiebeginn die Sterblichkeit von Patienten mit schwerer Sepsis zu verringern vermag. Während vergleichbare Erhebungen in anderen Ländern einen solchen Nachweis erbringen konnten, lassen die Ergebnisse der Medusa-Studie nur den gegenteiligen Schluss zu: Sie zeigen, dass die Sterblichkeit der Betroffenen mit jeder Stunde, die ungenutzt verstreicht, um zwei Prozent ansteigt. Anders als beabsichtigt war es den mitwirkenden Hospitälern nämlich nicht gelungen, die Patienten schneller zu behandeln. So dauerte es rund zwei Stunden, bis die Therapie eingeleitet wurde.

          Warum erhalten Patienten zu spät medizinische Hilfe?

          Dass die Untersuchung so kläglich scheiterte, beruhte maßgeblich auf der fehlenden Unterstützung der Krankenhausleitungen. Denn diese hatten größtenteils nichts oder nur wenig unternommen, um die zum Gelingen des Projekts notwendigen strukturellen und prozessualen Veränderungen voranzubringen. Als ein positives Gegenbeispiel kann diesbezüglich das Universitätsklinikum in Greifswald gelten. Hier ist es auf Betreiben und mit Unterstützung der Klinikleitung gelungen, den Anteil der innerhalb von 90 Tagen versterbenden Patienten mit schwerer und schwerster Sepsis von 64 Prozent im Jahr 2008 – dem bundesdeutschen Mittel – auf 45 Prozent im Jahr 2013 zu senken.

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