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Qualität der Diagnose : Schwierige Patienten haben schlechte Karten

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Verärgerte, genervte oder brüskierte Ärzte begehen häufiger diagnostische Irrtümer als emotional unbelastete Kollegen. Bild: dpa

Ärzte sind auch nur Menschen? Wenn sie es mit unliebsamer Klientel zu tun haben, machen sie häufiger Fehler. Wie also soll man sich verhalten?

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          Ärzte entsprechen längst nicht immer den Vorstellungen ihrer Patienten. Das Umgekehrte trifft allerdings ebenfalls zu. Für Unmut sorgen bei Ärzten etwa Patienten, die ihren Rat missachten, ihre Kompetenz in Frage stellen, keine Einsicht zeigen, nörgeln oder auch aggressiv reagieren. Die englische Bezeichnung „Heartsink“ beschreibt besonders plastisch, was Herr und Frau Doktor beim Anblick solcher „schwierigen Patienten“ widerfährt: Ihr Herz sinkt gleichsam in die Magengrube. Derartige Gefühle belasten freilich nicht nur die Beziehung zum Patienten, sondern gefährden außerdem den Erfolg der Behandlung. Denn verärgerte, genervte oder auch brüskierte Ärzte begehen häufiger diagnostische Irrtümer als emotional unbelastete Kollegen und dürften entsprechend öfter falsche therapeutische Schritte einleiten.

          Diesen Schluss legen zumindest die Ergebnisse einer experimentellen Studie von Forschern der Erasmus-Universität im niederländischen Rotterdam nahe. Die darin einbezogenen Probanden, insgesamt 63 junge Allgemeinärzte beiderlei Geschlechts, waren angehalten worden, sechs diagnostische Fälle, darunter drei einfache und drei komplexe, zu lösen. Jede Krankengeschichte gab es in zwei Versionen, die sich lediglich in einem Punkt, und zwar den Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten, voneinander unterschieden.

          So wurde dieser einmal in einem positiven, das andere Mal hingegen in einem negativen Licht dargestellt. Ein Beispiel: „Der Patient äußert sich zu den langen Wartezeiten, sagt aber, er sei froh, von Ihnen untersucht zu werden, da er mit einem Ihrer Kollegen gute Erfahrungen gemacht habe.“ Dieser Beschreibung einer angenehmen Person steht folgende eines schwierigen Charakters mit derselben Erkrankung gegenüber: „Der Patient ärgert sich über die lange Wartezeit und beginnt, schlecht über einen Ihrer Kollegen zu sprechen und diesen zu beschuldigen, ihn falsch behandelt zu haben.“ Welche Version die einzelnen Probanden in welcher Reihenfolge erhielten, überließen die niederländischen Wissenschaftler dem Zufall. Jeder Proband musste sich allerdings mit drei umgänglichen und drei schwierigen Patienten befassen. Die Verhaltensweisen der Kranken waren dabei nicht frei erfunden, sondern orientierten sich an realen Vorbildern aus dem Umfeld der Studienautoren und der einschlägigen Fachliteratur.

          Qualität der Diagnose

          Wie Henk Schmidt, Silvia Mamede und ihre Kollegen im „British Medical Journal“ berichten, wirkten sich die Äußerungen und Verhaltensweisen der Patienten nachhaltig auf die Qualität der Diagnosen aus. So trafen die Ärzte bei den schwierigen Patienten seltener ins Schwarze als bei den umgänglichen.

          Ging es um die Aufklärung einer vergleichsweise leicht erkennbaren Erkrankung, etwa einer Lungenembolie oder einer Hirnhautentzündung, stellten die Probanden nach reiflicher Überlegung bei 92 Prozent der schwierigen und 96 Prozent der angenehmen Patienten die richtige Diagnose. Sehr viel größer war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen, wenn die fiktiven Betroffenen an komplexeren Krankheiten litten, etwa einer alkoholbedingten Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder einer Schilddrüsenüberfunktion. Bei den unangenehmen Patienten betrug der Anteil an korrekten Diagnosen in dem Fall nur 29 Prozent und bei den anderen 49 Prozent.

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