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Brustkrebs-Untersuchung : Schwarmintelligenz könnte helfen

Mammographie am Universitätsklinikum Bild: dpa

Tumore werden auf dem Röntgenbild übersehen oder falsch diagnostiziert und die Frauen damit verängstigt. Einen zweiten Experten nach seiner Meinung befragen hilft - oder besser gleich ein System der Meinungsvielfalt schaffen.

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          Die Schwächen des Brustkrebs-Screenings lassen sich durch „kollektive Intelligenz“, die sogenannte Schwarmintelligenz, zumindest abmildern. Das will der Berliner Bionikforscher Max Wolf durch ein einfaches Experiment mit einem umfangreichen älteren Mammographie-Datensatz nachgewiesen haben. Zugrunde gelegt wurden für die Computeranalyse Tausende Interpretationen von 182 unterschiedlichen Röntgenaufnahmen. An dem Experiment seinerzeit waren 101 Radiologen beteiligt. Wolf, der am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei an neuen Formen der Informationsverarbeitung in sozialen Systemen forscht, versuchte, herauszufinden, wie viele Expertenurteile nötig sind, um die Treffsicherheit der Diagnose zu verbessern. Entscheidend war für ihn, dass der tatsächliche Krankheitsverlauf bei den Frauen nach der Mammographie bekannt ist. Noch immer wird etwa in einem Fünftel der Mammographien fälschlicherweise zuerst ein Krebsverdacht festgestellt, während ein Fünftel der tatsächlichen Tumore in der Brust übersehen werden. Das liegt auch daran, dass die Befundgenauigkeit mit der Erfahrung und der Ausbildung des Personals schwankt. Zudem haben Ärzte zuweilen Schwierigkeiten bei unterschiedlichen Tumorausprägungen, den Status der Gewebewucherung sicher einzuschätzen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In der Zeitschrift „JAMA Oncology“ wird jetzt beschrieben, wie unsicher die Ärzte häufig beim sogenannten Stadium-0-Krebs, dem Duktalen Karzinom (DCIS), sind. In rund 20 Prozent der Fälle, in denen ein Krebsverdacht geäußert wird, handelt es sich um solche Krebsvorstufen in den Milchgängen der Brust. In vielen, aber keineswegs allen Fällen durchbrechen diese Wucherungen, wenn überhaupt, oft erst nach Jahrzehnten die Wände der Milchgänge und werden invasiv. Wie die Auswertung von 18 Tumorregistern aus den Jahren 1988 bis 2011 mit mehr als 100 000 Patientinnen ergeben hat, ist das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, für Frauen mit DCIS insgesamt zwar 1,8 Mal so hoch wie das einer gesunden Frau. Doch gilt dieses erhöhte Risiko hauptsächlich für jüngere Frauen mit DCIS-Diagnose unter 35 Jahren. Zudem hat sich gezeigt, dass die übliche aggressive Behandlung des Duktalen Karzinoms mit Bestrahlung (nach der vorsorglichen Entfernung des Knotens) statistisch keine Verringerung der Brustkrebssterblichkeit bringt. „Die Standardbehandlung muss möglicherweise überdacht werden“, so die Autoren.

          Eine Brustkrebszelle in Nahaufnahme: Die Bekämpfung von Krebs wird immer erfolgreicher - und immer kostspieliger.

          Die Unsicherheit bei der Mammographie-Diagnose lässt sich im Einzelfall trotz noch so viel Erfahrung kaum eliminieren. Doch Wolf hält es für möglich, dass viele kleinere Fehler, die bei Befunden gemacht werden und durch mehr Knowhow oder Erfahrung ausgeschlossen werden könnten, durch eine kritische Masse an Meinungen quasi herausgefiltert werden. Fünf unabhängige Interpretationen seien nötig, um bessere Ergebnisse zu erzielen als der Arzt mit der besten Befundgenauigkeit, schreibt Wolf in „PlosOne“. Ab etwa acht Expertenmeinungen lässt der Zusatznutzen der Schwarmintelligenz deutlich nach. „Das Verfahren ließe sich automatisieren“, glaubt Wolf. Die Gutachter müssten dazu unabhängig voneinander am Computer die Röntgenaufnahmen beurteilen. Anschließend sollte daraus eine Software den Befund ermitteln.

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