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Schlaganfall-Risiko : Ein Schirm zur Beruhigung

  • -Aktualisiert am

Wird bei vielen Patienten seit langem routinemäßig implantiert: Ein Schirmchen im Herz zur Vorbeugung von Hirnschlägen Bild: Superbild/A1Pix/SPL

Ein Loch im Herzen ist nicht selten, aber meist harmlos. Trotzdem gehen Chirurgen oft mit einem Schirmchen rein und schließen das Leck, letztlich um einen Schlaganfall zu verhindern. Hilft das wirklich? Offenbar schon.

          Jahrzehntelang war unklar, ob der künstliche Verschluss eines Lochs in der Trennwand zwischen den beiden Herzvorhöfen – ein recht häufiger Defekt bei Säuglingen – geeignet ist, die betreffenden Menschen vor Gefäßverschlüssen im Gehirn zu schützen; insbesondere, wenn sie schon einen Schlaganfall erlitten hatten. Verschlossen wird das Loch – das Foramen ovale – mit einem Schirmchen. Anhand des Katheters schiebt der Kardiologe ein zusammengefaltetes Schirmchen über das Gefäßsystem ins Herz, spannt es hinter dem Loch auf und dichtet das Leck auf die Weise ab. Während sich dies in einigen Untersuchungen als nutzbringend erwies, konnte es in anderen nicht überzeugen. Inzwischen ist klar: Es gibt eine Gruppe von Schlaganfallkranken, denen der Verschluss des sogenannten Foramen ovale definitiv zugutekommt.

          Im Fötus ist das Foramen ovale noch ein wichtiger Teil des Kreislaufs, der allerdings nach der Geburt in der Regel zuwächst. Bei rund einem Viertel der Bevölkerung verbleibt gleichwohl ein mehr oder weniger großes Loch, durch das Blut aus der venösen in die arterielle Herzhälfte fließen kann. Bedrohlich ist ein solcher Kurzschluss jedoch nur, wenn ein aus den Beinvenen angeschwemmtes Gerinnsel durch den Spalt in den linken Herzvorhof gelangt. Dabei besteht die Gefahr, dass der Thrombus ins Gehirn gespült wird und hier eine Ader verstopft. Besonders groß scheint diese Bedrohung unmittelbar nach Operationen zu sein. Das geht zumindest aus einer Analyse von Forschern um Matthias Eikermann von der Harvard Medical School in Boston hervor. Gestützt auf die Daten von mehr als 180 000 Männern und Frauen, die sich einer nicht das Herz betreffenden Operation unterzogen hatten, fanden die Wissenschaftler heraus, dass Patienten mit offenem Foramen ovale fast dreimal so oft einen Hirnschlag erlitten wie solche ohne Loch in der Herzscheidewand.

          Schwierige Untermauerung einer verbreiteten Annahme

          Aber auch unabhängig von chirurgischen Eingriffen begünstigt ein solcher Defekt mitunter die Entstehung eines Gefäßverschlusses im Gehirn. Damit ein solches Szenario eintritt, müssen gleichwohl mehrere Faktoren zusammenkommen. Bisher galt es als wahrscheinlich, dass das Schlaganfallrisiko sowohl mit der Größe des Lochs in der Herztrennwand als auch der Thrombose-Neigung des Bluts und einer bewegungsarmen Lebensweise ansteigt. Diese Annahme mit wissenschaftlichen Belegen zu untermauern hat sich als schwierig herausgestellt. Denn zum einen lassen sich andere, weitaus häufiger vorkommende Schlaganfallursachen – Gefäßschäden und Vorhofflimmern – nicht immer ausschließen. Und zum anderen hat es sich als extrem schwierig erwiesen, genügend Probanden für die Studien zu finden. Vielerorts werden die Schirmchen nämlich schon seit langem routinemäßig implantiert – und das nicht selten auch bei Patienten, die hiervon nicht profitieren.

          Um endlich Klarheit zu gewinnen, wurde in den neuen Studien besonderer Wert auf eine gründliche diagnostische Abklärung der Patienten gelegt. Berücksichtigt wurden darin nur Personen, bei denen andere Schlaganfallursachen ausgeschlossen werden konnten und die zudem noch vergleichsweise jung waren. Denn je höher das Alter, desto größer ist zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass der Hirnschlag auf einen der gängigen Risikofaktoren zurückgeht. Die Probanden der Gore-Reduce-Studie – 664 durchschnittlich 45-jährige Männer und Frauen – waren alle mit Aspirin oder einem ähnlichen Thrombose-Schutzmittel behandelt worden. Zwei Drittel von ihnen hatten sich darüber hinaus einem Verschluss des Foramen ovale unterzogen.

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