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Schlaf- und Allergiemittel : Gängige Medikamente erhöhen das Demenzrisiko

  • -Aktualisiert am

Viele der gängigen Mittel werden dauerhaft genommen. Bild: dpa

Arzneimittel eines bestimmten Typs, die etwa gegen Heuschnupfen oder Blasenschwäche wirken, scheinen das Risiko für Demenz zu steigern. Das zeigen jetzt Forscher mit einer Studie, an der 3500 ältere Menschen teilnahmen.

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          Gängige Medikamente gegen Depressionen, Schlafstörungen oder Heuschnupfen können das Risiko für die Entwicklung einer Demenzerkrankung erhöhen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um Shelly Gray von der University of Washington, die 3500 Probanden im Alter von 65 Jahren und älter ein Jahrzehnt lang beobachteten.

          Am Anfang der Studie, die im Fachmagazin „Jama Internal Medicine“ erschienen ist, zeigten die Teilnehmer keine Anzeichen von Demenz. Nach Auswertung der Daten konnten die Autoren konstatieren, dass ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Alzheimer-Demenz und anderen Demenzformen im Beobachtungszeitraum und der Einnahme von Medikamenten eines bestimmten Typs vorlag. Unter den sogenannten Anticholinergika sind sehr verschiedenartige Mittel. Sie blockieren wichtige Rezeptoren im parasympathischen Nervensystem, so dass die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin nicht zum Tragen kommt. Dadurch wird die Kontraktion der glatten Muskulatur, die etwa Organe wie den Darm oder auch Drüsen umgibt, verhindert. So lässt sich zum Beispiel eine Blasenschwäche therapieren.

          Die häufigsten in der Studie registrierten Medikamente waren Mittel gegen allergische Beschwerden wie Heuschnupfen, Arzneimittel gegen Blasenschwäche und trizyklische Antidepressiva. Letztere erhielten ihren Namen („tri“), weil ihre chemische Struktur drei typische Ringe aufweist.

          Insgesamt entwickelten fast 800 Studienteilnehmer im Follow-up-Zeitraum Demenz, bei knapp 640 von ihnen war es Demenz vom Alzheimer-Typ. Die Autoren sicherten den Zusammenhang mit der Einnahme der Medikamente ab, indem sie Einsicht in die Computerregister von Apotheken nahmen. Sie definierten auch Dosierungen für verschiedene Medikamente, die das Demenzrisiko steigen lassen. So sollen etwa täglich vier Milligramm des Wirkstoffs Diphenhydramin, der als Beruhigungsmittel zum Einsatz kommt, das Risiko bereits erhöhen.

          Ärzte sollten warnen

          Demographische Charakteristika, sonstiges gesundheitsförderndes Verhalten und Begleiterkrankungen rechneten die Forscher um Gray aus ihrer Studie heraus. Außerdem wurden Medikamente, die im letzten Jahr vor der Demenzdiagnose genommen wurden, nicht miteinberechnet, denn, so die Wissenschaftler, es sei nicht auszuschließen, dass diese Medikation schon mit den ersten, noch unspezifischen Symptomen der Demenzerkrankungen zusammenhing. Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass Ärzte die Risiken durch die Einnahme der Mittel frühzeitig mit älteren Patienten besprechen sollten, um den Gebrauch der Mittel langfristig einzuschränken.

          Erst im Herbst vergangenen Jahres hatten Forscher im „British Medical Journal“ darauf hingewiesen, dass die ebenfalls gängigen Benzodiazepine das Risiko für Alzheimer-Demenz steigern. Die Beruhigungs- und Schlafmittel, zu denen auch die unter den Handelsnamen Valium und Tavor bekannten Produkte gehören, machen zudem abhängig. Es sei aber unklar, so die Autoren dieser Studie, ob die Ängste und Schlafstörungen, gegen die Benzodiazepine – oft über Jahre – verschrieben und genommen werden, nicht eigentlich ohnehin Vorläufer der späteren Demenz sind. In diesem Fall wäre ein direkter Einfluss der Medikamente nicht klar belegbar.

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