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Schädliche Chemikalien : Pfannen und Wildschweinleber unter Verdacht

  • -Aktualisiert am

Fragwürdig: Ist die Wildschweinleber unter der blanken Haube ein Risiko? Bild: Wonge Bergmann

Sind perfluorierte Tenside im Blut, leidet das Hormonsystem der Frauen. Das legt eine beunruhigende Studie aus Kanada nahe. Wie stark kann die Fruchtbarkeit gestört werden?

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          Sie sind allüberall und beständig: Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) zählen zum Langlebigsten, was sich Chemiker erdacht haben, und sie können nicht nur bei Tieren, sondern offenbar auch beim Menschen die Fertilität herabsetzen. Je höher die Konzentration an Perfluoroctansäure (PFOA) oder an Perfluorhexylsulfonat (PFHxS) im Blut einer Frau, desto länger dauerte es, bis sie schwanger wurde, oder desto wahrscheinlicher war es, dass sie sich wegen Unfruchtbarkeit in Therapie begeben musste. Das ist ein Ergebnis der kanadischen MIREC-Studie (Maternal-Infant Research on Environmental Chemicals), die die bislang größte Zahl schwangerer Frauen untersuchte, um mögliche schädliche Einflüsse von Umweltchemikalien auf Schwangerschaft und kindliche Gesundheit zu ermitteln.

          „Diese Studie hat Gewicht“, urteilt Michael Schümann und weist darauf hin, dass sie Befunde aus einer früheren dänischen Studie und aus Tierversuchen bestätigt. Der Epidemiologe hat bei der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, als Berater des Umweltbundesamtes und Mitglied der Kommission „Expositionsschätzung“ des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) die wissenschaftliche Debatte um Effekte von PFC auf die Bevölkerung in Deutschland mit geprägt. Schümann verweist auch auf andere mögliche Effekte: „Aus Humanstudien gibt es zumindest Hinweise darauf, dass unter entsprechender Exposition die erste Regelblutung in der Pubertät und die Menopause verzögert eintreten.“ Für die vorliegende Studie wurden in knapp einem Dutzend Städten rund 2000 Frauen rekrutiert und Blutproben im ersten Drittel der Schwangerschaft untersucht. Neben PFOA und PFHxS wurde auch die Konzentration von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) bestimmt. Unabhängig vom Alter der Frau oder anderen Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, zeigte sich, dass selbst geringere Blutkonzentrationen dieser perfluorierten Tenside als bisher angenommen mit verminderter Fruchtbarkeit einhergingen („Human Reproduction“ doi: 10.1093/ humrep/deu350).

          „Nicht ganz so entspannend wie gedacht”

          Das kanadische Forscherteam um Maria P. Vélez von der Sainte-Justine-Universitätsklinik in Montreal hat dabei eine mittlere Konzentration von Perfluoroctansäure von 1,7 Nanogramm pro Milliliter Blut gemessen. Das ist ein deutlich niedrigerer Wert, als er beispielsweise in der dänischen Studie ermittelt wurde, in der ebenfalls der Einfluss solcher Chemikalien auf die Fruchtbarkeit von Frauen untersucht worden ist. Hier lag die Konzentration für PFOA im Durchschnitt bei über fünf Nanogramm pro Milliliter. Eine wesentliche Schlussfolgerung der MIREC-Studie liegt daher nicht nur darin, dass die bisherigen Befunde zum Einfluss der Chemikalien auf die Fertilität erhärtet werden. Sie lässt zudem vermuten, dass sich selbst vergleichsweise geringe Konzentrationen als Hemmschuh für den Kinderwunsch erweisen können. Ausweislich der vom Umweltbundesamt im Jahr 2009 aus Studien abgeleiteten Referenzwerte, die für etwa 95 Prozent der Bevölkerung Schätzwerte darstellen, liegen die Blutkonzentrationen beispielsweise für PFOA bei Frauen, Männern und Kindern unter zehn Jahren bei zehn Mikrogramm pro Liter - umgerechnet also durchaus in einer für die aktuelle Studie angeführten Dimension, was auch nicht unplausibel ist, wie Schümann bestätigt. Offenbar sind das dennoch eher günstige Werte für Deutschland. Für Asien, Amerika und Europa werden die beim Menschen gemessenen Blutkonzentrationen für PFOA zwischen drei und 33 Mikrogramm pro Liter angegeben, wie man auf den Seiten des BfR entnehmen kann. Zwar ist eine Korrelation von Blutwerten und verminderter Fertilität nicht mit einer Verursachung gleichzusetzen, gleichwohl handelt es sich hier um einen statistisch bedeutsamen, signifikanten Zusammenhang, der es nach Experteneinschätzung notwendig macht, den Einfluss dieser ubiquitären Chemikalien genauer unter die Lupe zu nehmen.

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