https://www.faz.net/-gwz-adwyh

Rettungsdienste in der Kritik : Hier versagt nicht nur die Kommunikation

  • -Aktualisiert am

Oft treffen Rettungssanitäter und Notärzte erst am Einsatzort zusammen. Bild: dpa

Beim präklinischen Rettungsdienst liegt vieles im Argen. Es mangelt häufig an Professionalität. Es besteht dringender Reformbedarf – ein Weckruf.

          3 Min.

          Der Notfall-Rettungsdienst wird jedes Jahr zu mehr als elf Millionen Einsätzen gerufen. Angesichts der schieren Zahl sollte man auf ein hohes Maß an Professionalität der Helfer vertrauen können. Doch die weist Mängel auf, was nicht selten Patienten gefährdet. Im Medizin­betrieb wird Fehlermanagement noch immer vernachlässigt. Rettungsdienstpersonal sieht sich mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Die örtlichen Gegebenheiten sind meist unübersichtlich, schwierige Wetterbedingungen, widersprüchliche Angaben von Augenzeugen und die Notwendigkeit, unter Zeitdruck handeln zu müssen, machen den Rettungsdienst zu einem Hochrisikoarbeitsplatz. Nicht wenig, wenn nicht alles, etwa das Leben der Patienten, hängt von einer effektiven Kommunikation ab. In dieser Hinsicht gleicht der Rettungsdienst anderen Hochrisikoarbeitsplätzen wie in der Luftfahrt oder der chemischen Industrie. Aus beiden Bereichen ist seit Langem bekannt, dass Kommunikationsfehler dramatische Folgen haben können. Oft sind es nur kleine Missverständnisse, die sich zu groben Fehlern addieren. Experten sprechen von Schweizer-Käse-Modell, kleine Irrtümer — schwerwiegende Folgen.

          Es gibt kaum Untersuchungen zur Häufigkeit von Fehlern im Rettungsdienst, schon gar nicht zur Qualität der Kommunikation innerhalb der Teams. Das ist verständlich angesichts der Vielfalt der Herausforderungen. Eine Studie zum Thema, die unter Leitung des Autors durchgeführt wurde, und jetzt im Journal Plos One publiziert wurde, förderte Ergebnisse zutage, die als beunruhigend zu bezeichnen weit untertrieben wäre. Die Resultate der Untersuchung sollten ein Weckruf sein, gerichtet an jene, die für die Organisation des Rettungsdienstes verantwortlich sind.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Blick auf, durch das Hochwasser zerstörte, Häuser in Altenburg. Aufgenommen am 15. Juli 2021 in Altenburg, Altenahr.

          Flutkatastrophe : Der Versicherte ist der Dumme

          Auch wer sein Haus nicht versichert hat, darf nach der Flut auf viel Geld vom Staat hoffen. Darum ist eine Versicherungspflicht überfällig, sagen Fachleute.
          Schöner Schein: Tanzende Mädchen 1959 in einem Kurheim in Bad Dürrheim. Der Alltag vieler „Verschickungskinder“ sah in Wirklichkeit viel düsterer aus.

          „Verschickungskinder“ : Als die Kur zur Qual wurde

          In der jungen Bundesrepublik wurden Millionen Kinder ohne Eltern in Kur geschickt. Viele der „Verschickungskinder“ erlebten keine Erholung, sondern durchlebten Wochen der Tortur mit Heimweh, Schlägen und Missbrauch.