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Rauchen : Brisante Appetitzügler

  • -Aktualisiert am

Der Kick kommt sofort: Nur wenige kommen vom Nikotin los Bild: AP

Zigarette weg: Wieso manche Ex-Raucher danach an Gewicht zulegen. Das Nikotin in der Zigarette zügelt offenkundig den Appetit.

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          Raucher sind vielfach schlanker als Nichtraucher und viele Raucher halten nur deshalb an ihrem Laster fest, weil sie auf keinen Fall zunehmen wollen. Die Zigaretten dienen ihnen als Appetitzügler. Forscher um Marina Picciotto von der Yale-Universität in New Haven haben jetzt herausgefunden, wie das Sättigungsgefühl beim Rauchen entsteht und dass es nichts mit dem Verlangen nach der nächsten Zigarette zu tun hat. Sie hoffen, dass sich ihre Einsichten für die Suche nach neuen Appetitzüglern nutzen lassen oder zu Strategien führen werden, mit denen man auch ohne Gewichtszunahme vom Rauchen loskommen kann. Allerdings haben Picciotto und ihre Kollegen bisher nur Tierexperimente vorzuweisen. Es gibt noch keine klinischen Daten. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift "Science" (Bd. 332, S. 1330).

          Wild feuernde Nerven

          Der neuronale Schaltkreis, der über Hunger und Sättigung entscheidet, lässt sich offenbar über einen bislang wenig beachteten Nikotinrezeptor ansteuern. Sobald das im Tabakrauch enthaltene Nikotin an diesem Rezeptor angedockt hat, beginnen die Nervenzellen zu feuern. Sie senden den Botenstoff POMC aus, der in zurechtgestutzter Form auf eine weitere Gruppe von Nervenzellen einwirkt, die direkt für das Sättigungsgefühl und den gesteigerten Energieverbrauch zuständig sind.

          Nikotin macht also über denselben Schaltkreis satt, der normalerweise von den Signalen aus dem Verdauungstrakt beeinflusst wird. Der Schaltkreis ist im Hypothalamus angesiedelt. Er hat nichts mit dem Belohnungszentrum zu tun, über das die Suchtwirkung des Nikotins zustande kommt. Aufgefallen war die besondere Wirkung des bislang wenig beachteten Nikotinrezeptors bei der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Depression. Picciotto hatte dabei auch das dem Nikotin ähnliche Cytisin getestet und gesehen, dass die Mäuse mit dieser Substanz sehr viel weniger aßen als die Tiere, die kein Cytisin bekommen hatten. Die gleiche Wirkung ließ sich auch mit Nikotin erzielen. Mit Nikotin setzten die Mäuse deutlich weniger Körperfett an als ihre unbehandelten Artgenossen. Unterbrach man den POMC-Schaltkreis, aßen die Tiere mit und ohne Nikotin gleich viel.

          Rauchen ist tödlich

          Der vom Deutschen Krebsforschungszentrum herausgegebene Krebsatlas verweist darauf, dass 2007 fast 110 000 Todesfälle in Deutschland auf das Rauchen zurückzuführen waren. Rauchen war demnach für 17 Prozent der Todesfälle verantwortlich und ist die bedeutendste Einzelursache für vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle. Die durchschnittliche Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp liegt bei vier bis sechs Kilogramm. Allerdings legen manche auch mehr zu. Für viele Raucher ist diese Gewichtszunahme offensichtlich schwerer zu ertragen als die Schäden durch das Rauchen. Eine Therapie, die hilft, sich das Rauchen abzugewöhnen, ohne zuzunehmen, wäre für diese Gruppe ein wichtiger Anreiz, endgültig mit der Entwöhnung Ernst zu machen.

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