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Psychosen : Was bestimmt die Heilungsaussichten bei Schizophrenie?

  • -Aktualisiert am

Schizophrenie kann mit depressiven Symptomen und sozialem Rückzug einhergehen Bild: ZB

Manche Schizophrenie-Patienten können nach einem einzigen psychotischen Schub in ein normales Leben zurückkehren. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, welche Faktoren die Chance auf so eine günstige Entwicklung erhöhen.

          Schizophrenie hat viele Ausprägungen: Manche Patienten erkranken nach einer ersten psychotischen Episode immer wieder, manche bleiben jahrelang unauffällig, bis sich die Krankheit wieder Bahn bricht. Und auf einen Verlauf hoffen Ärzte und Patienten immer, es gibt ihn durchaus: dass die Krankheit nach einem einzigen psychotischen Schub nie wiederkehrt. Welche Faktoren aber überhaupt dafür sorgen, dass die Patienten nach einer Episode wieder in ein normales Leben zurückkehren können - sei es für eine bestimmte Zeit oder für immer -, ist umstritten. Erste Antworten zu dieser Frage liefert nun ein Wissenschaftlerteam um Gerald Jordan von der Universität in Montreal. Die Forscher analysierten Daten von mehr als 200 Patienten, die an einem kanadischen Programm zur frühen Intervention bei Psychosen teilgenommen hatten. Die Probanden waren zwischen vierzehn und 35 Jahre alt, zu 70 Prozent waren es Männer. 75 Prozent zeigten psychotische Symptome in Zusammenhang mit einer Schizophrenie-Erkrankung. Die restlichen 25 Prozent litten an einer affektiven Störung, etwa einer manisch-depressiven Erkrankung.

          Halluzinationen und Wahn

          Alle Patienten wurden zwei Jahre lang beobachtet. Die Wissenschaftler erfassten zum einen die Gedächtnisleistungen - insbesondere das verbale Erinnerungsvermögen - der Betroffenen, das während akuter Phasen als stark beeinträchtigt gilt. Zum anderen wurde registriert, ob und wie stark die Probanden an Negativ- und Positivsymptomen litten. Beide Symptomarten sind typisch für Psychosen. Mit Positivsymptomen meint man das Hören von Stimmen, Halluzinationen, die Wahnsymptomatik. Negativsymptome sind nach außen hin unauffälliger, typischerweise handelt es sich um Antriebsarmut, Depressivität und motorische Störungen.

          In der Vergangenheit vertraten Mediziner oft die Ansicht, dass vor allem die kognitiven Defizite Erkrankte daran hindern, in den Job zurückzufinden oder soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Doch Jordan und seine Kollegen schreiben im „Journal of Clinical Psychiatry“, dass die Länge der Zeitspanne, in der die Positiv- und die Negativsymptome nicht mehr auftraten, entscheidend dafür waren, ob die Probanden nach einem beziehungsweise zwei Jahren einen Job hatten und sich unter Menschen trauten. Nach einem Jahr hatten 30 Prozent der Teilnehmer die Möglichkeit, ein solches normales Leben zu führen, ihr Funktionsniveau war gut. Nach zwei Jahren galt das schon für 42 Prozent. Zu beiden Zeitpunkten hatten diejenigen, die wieder arbeiteten und Freunde trafen, vor allem weniger Positivsymptome, sie halluzinierten nicht, hatten nicht das Gefühl, ihnen würden Gedanken eingegeben. Aber auch die Negativsymptome waren deutlich reduziert.

          Anders als erwartet, war der Einfluss der kognitiven Fähigkeiten gering. Offenbar ist das Schwinden der Positiv- und Negativsymptomatik für ein Zurückfinden ins Arbeitsleben und für das Gestalten sozialer Beziehungen wichtiger als die Denk- und Merkfähigkeit. Denn die kognitiven Fähigkeiten waren auch bei denjenigen, die sich gut von ihrem psychotischen Schub erholt hatten, deutlich schlechter als bei gesunden Vergleichspersonen.

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