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Prostatakrebs : Der PSA-Test führt zu häufig in die Irre

  • -Aktualisiert am

Im Zweifelsfall wird zum Skalpell gegriffen. Die Operation hat nicht selten unerwünschte Folgen. Bild: Corbis

Aus Angst vor Krebs lassen sich jedes Jahr mehr als vierzigtausend Männer die Prostata entfernen. Längst nicht jeder Eingriff wäre nötig. Auch die neue Studie PROBASE wird dieses Problem nicht ändern können.

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          In jungen Jahren hat sie nicht einmal die Größe eines Tischtennisballs. Die meisten Männer könnten deshalb wohl nicht einmal sagen, wo genau im Unterleib ihre Prostata eigentlich liegt. Doch für 50.000 gesunde 45-Jährige wird sich das sicher bald ändern: Sie werden gebeten, an einer neuen großen Studie teilzunehmen, die mit fast fünf Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe finanziert wird.

          PROBASE, kurz für „Risk-adapted prostate cancer early detection study based on a baseline PSA value in young men“, soll die Früherkennung für Prostatakrebs optimieren. Die aus den Einwohnermelderegistern erwählten Männer werden dafür in zwei Gruppen eingeteilt: Die einen machen sofort, die anderen erst mit 50 einen Basis-Test. Das Ergebnis bestimmt dann, wann der Teilnehmer zum nächsten Test erscheinen muss, welcher wiederum über einen weiteren Termin entscheidet. Sobald ein Wert auffällig wird, setzt die volle Diagnostik ein.

          So weit klingt das einleuchtend. Was von den Verantwortlichen der Studie als Optimierung bezeichnet wird, kann allerdings auch als versuchte Ehrenrettung gesehen werden, und zwar eines Bluttests, mit dem in Deutschland derzeit fast jeder gesunde Mann in seiner zweiten Lebenshälfte konfrontiert wird. Der Test auf das Prostataspezifische Antigen (PSA) weist ein Eiweiß nach, das von der Vorsteherdrüse gebildet wird, um das Sperma zu verflüssigen.

          Sex und Sport, aber auch verschiedene Erkrankungen des Organs erhöhen den PSA-Spiegel im Blut. Obwohl das Protein kein spezifisches Merkmal von Krebs ist, hoffen Mediziner seit den achtziger Jahren, der PSA-Wert könne schon bei gesunden Männern frühe Hinweise auf ein Karzinom liefern und die Sterblichkeit der Männer an diesem Krebs insgesamt verringern.

          Massive Zahl von Überdiagnosen und Übertherapien

          Dieser Hoffnung stehen inzwischen allerdings wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber. Mehrere große Studien haben gezeigt, dass der Nutzen des PSA-Screenings weit hinter den Schaden zurückfällt, den es anrichtet. Überhaupt konnte nur eine Studie so etwas wie einen Nutzen nachweisen. Den Ergebnissen der 2009 veröffentlichten „European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer“ (ERSPC) zufolge reduziert das Screening von Männern zwischen 55 und 69 Jahren das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, von 2,8 auf 2,2 Prozent.

          Der Preis für diesen Effekt ist laut ERSPC eine massive Zahl von sogenannten Überdiagnosen und Übertherapien. Dabei werden Neubildungen in der Prostata entdeckt und behandelt, die nie einer Therapie bedurft hätten, weil solche Tumore gar nicht oder so langsam wachsen, dass der Mann mit ihnen stirbt, aber nicht an ihnen. Bis zu 48 Männer würden unnötig zu Krebspatienten gemacht, damit genau ein Mann nicht an seinem Prostatakarzinom stirbt, sondern an etwas anderem.

          Es ist dieses Missverhältnis, das mittlerweile zum Umdenken geführt hat. In den Vereinigten Staaten, wo gesunde Männer über 40 Jahren lange Zeit PSA-Tests zur Früherkennung mit ihrem jährlichen Check-Up erhielten, hat die nationale Präventionskommission vor zwei Jahren eine Vollbremsung eingeleitet. „Benutzen Sie den PSA-Test nicht für die Früherkennung von Prostatakrebs“ lautet nun die unmissverständliche Ansage des Expertenkomitees. Sie bezieht sich auf alle Altersgruppen.

          Selbst die amerikanische Urologenvereinigung, der bislang hartnäckigste und mächtigste Verfechter des PSA-Screenings, rät seit 2013 in keinem Fall mehr zum PSA-Check. Wenn überhaupt, dann sei unter den Gesunden nur die Gruppe der 55- bis 69-Jährigen über den Test zu informieren. Zeitgleich mit dem Umschwung ist ein Buch erschienen, das mit dem PSA-Betrieb abrechnet: „The Great Prostate Hoax“, die große Prostata-Lüge. Der Autor, Richard Ablin von der University of Arizona, hatte das Eiweiß PSA vor 44 Jahren entdeckt.

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