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Prävention : Impfen auf die leichte Schulter genommen

  • -Aktualisiert am

Schutzimpfungen können Leben retten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Eine Impfung ist die gesundheitliche Präventionsmaßnahme schlechthin: In Deutschland mangelt es sowohl an einem nationalen Konzept als auch an Aufklärung und politischer Unterstützung.

          Wann immer über die Instrumente einer nachhaltigen Gesundheitspolitik gesprochen wird, geht es auch um Vorbeugung. Maßnahmen wie das Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs, die Förderung gesunder Ernährung bei Kindern und Jugendlichen sowie Kampagnen gegen das Rauchen sind in den vergangenen Jahren auf breite, parteiübergreifende Akzeptanz gestoßen. Nur einer Präventionsmaßnahme fehlt der politische Rückenwind - dem Impfen. Das wird am Beispiel der Masern deutlich. Auf dem Weg zu dem von der Weltgesundheitsorganisation markierten Ziel, diese Krankheit bis zum Jahre 2010 auszurotten, hinkt die Bundesrepublik anderen Ländern hinterher.

          Auf dem amerikanischen Kontinent sind seit drei Jahren keine Masern mehr aufgetreten. Die letzten beiden Ausbrüche - 1998 in Brasilien und 2002 in Venezuela - ließen sich auf Viren zurückführen, die aus Deutschland eingeschleppt worden waren. Hierzulande gibt es nach wie vor einige hundert Fälle von Masern pro Jahr, mit zum Teil schweren Komplikationen. Was macht die Bundesrepublik falsch? Auf dem von der Stiftung Präventive Pädiatrie organisierten fünften Impfsymposion, das kürzlich im Schloß Waldthausen bei Mainz stattgefunden hat, fanden sich deutliche Worte dazu. Nach Überzeugung von Heinz-J. Schmitt vom Zentrum Präventive Pädiatrie der Universität Mainz, der auch Vorsitzender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin ist, fehlt es vor allem an Aufklärung. Es gibt auch kein konzertiertes Vorgehen zwischen den beteiligten Gruppen.

          Impfung nach einem dezentralen System

          In Deutschland wird nach einem dezentralen System geimpft. Neben dem für die Zulassung und Überwachung der Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Institut in Langen und der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut sind an diesem System noch die Ärzte, die Krankenkassen und der öffentliche Gesundheitsdienst beteiligt. Zwischen diesen gibt es keine klaren Absprachen über die geplanten Gesundheitsziele und wie sie zu erreichen sind. Die Ständige Impfkommission entscheidet zwar, welche Impfungen im Interesse des Gemeinwohls sind und wann geimpft werden soll. Eine öffentliche Empfehlung an ihrer Stelle können aber nur die Bundesländer abgeben, weil ihnen derartige Gesundheitsfragen obliegen. Eine solche Übernahme geschieht nicht automatisch, obwohl sie im Infektionsschutzgesetz ausdrücklich gewünscht ist.

          Wie Schmitt auf dem Symposion ausführte, werden hierzulande auch keine flächendeckenden epidemiologischen Daten erhoben, mit denen das Impfen begründet und der Impferfolg überprüft werden könnte. Bei den Masern beruht die Erfassung der Erkrankungsfälle im wesentlichen auf den nach dem Infektionsschutzgesetz erhobenen Meldedaten sowie der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft Masern und dem Nationalen Referenzzentrum Masern, Mumps, Röteln. Rückschlüsse auf die Impfungsraten lassen sich lediglich aufgrund der Schuleingangsuntersuchungen ziehen. Vier Jahre zu spät, wenn man Impflücken rechtzeitig schließen will. So erhalten zwar neunzig Prozent der Säuglinge die erste Impfung gegen Masern, die zweite, wenige Monate später anfallende Impfung wird aber nur noch bei jedem zweiten dieser Kinder vorgenommen. Zum Ausrotten der Masern sind aber beide Impfungen sowie eine bevölkerungsweite Impfungsrate von mehr als 95 Prozent nötig.

          Mangelnde Impfbereitschaft

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