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Plasmatherapie gegen Covid-19 : Hoffnungsträger in Ypsilon-Form

  • -Aktualisiert am

Diese Molekülstruktur im Bildausschnitt zeigt ein sogenanntes Gammaglobulin, also einen Antikörper der Klasse G. Mit solchen Proteinen geht das menschliche Immunsystem gegen Viren vor: Spezifisch geformt, heften sich die Antikörper an die Oberfläche der Erreger, um zu verhindern, dass diese neue Zellen befallen. Bild: Science Photo Library

Wer Covid-19 überstanden hat, trägt schützende Antikörper im Blut. Davon könnten andere Patienten profitieren. Ob ihnen aber eine Plasmatherapie tatsächlich hilft, und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt, ist noch unklar.

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          Als Mitte März auch in New York die Zahl der Covid-19-Fälle in die Höhe schnellte, war das ein bedrohliches Signal. In der Millionenstadt sahen Ärzte eine verheerende Epidemie auf sich zurollen, und Forscher mussten feststellen, dass sich das neue Coronavirus weltweit rasant ausbreitete. Arturo Casadevall von der Johns Hopkins University in Baltimore deutete die steigenden Fallzahlen noch auf ganz andere Weise. Für den Chef des Department of Molecular Microbiology and Immunology war es eine wachsende Armee von Genesenen, die helfen könnte, die Seuche zu besiegen.

          Bereits im Januar hatte Casadevall dafür plädiert, eine uralte Therapieform gegen die schwere Virusinfektion einzusetzen: Bluttransfusionen von Menschen, die die Krankheit überstanden hatten. Nun schien die Zeit gekommen, das Konzept in die Praxis umzusetzen. Am 13. März veröffentlichte er mit seiner Kollegin Liise-anne Pirofski vom Albert Einstein College in New York einen Bericht im „Journal of Clinical Investigation“, den der Immunologe nun „das vielleicht wichtigste Paper meines Lebens“ nennt. Als einen großen Vorteil der Plasmatherapie sehen Pirofski und Casadevall an, dass man die Infrastruktur für Transfusionen nutzen könnte, die in Krankenhäusern und Behandlungszentren sowieso zur Verfügung steht. Kurz gesagt, kann diese Therapie schnell und breit eingesetzt werden. Die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe dauert hingegen Monate oder Jahre. Und je länger die Pandemie anhält, umso mehr Menschen gibt es, die mit ihrem Blut helfen können.

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