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Pest und Pandemie : „Schlimme Zeiten stehen uns bevor“

  • -Aktualisiert am

Mittelalter-Quarantäne: Die Türen der Pestinfizierten waren, wie das der französische Maler Daumier darstellte, für 40 Tage verrammelt. Bild: Science Photo Library

Wie uns die Corona-Pandemie mit historischen Erfahrungen verbindet – und warum diese Verbindung trügerisch ist.

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          Als sich in den ungewöhnlich warmen Frühlingsmonaten des Jahres 1665 die Pest langsam von den Außenbezirken Richtung Londoner Innenstadt verbreitete, hatte Staatssekretär Samuel Pepys bereits eine düstere Vorahnung, was auf ihn zukam. Es seien, so notierte er Ende April in sein Tagebuch, erste Fälle von Quarantänen in der Stadt bekanntgeworden, weshalb nun überall „große Angst“ herrsche. In verzweifelter Hoffnung ergänzte er: „Gott schütze uns alle.“ Der fromme Wunsch erfüllte sich nicht: Mit zunehmendem Horror notierte Pepys die steigenden Fallzahlen. Am Ende verloren allein in London 100.000 Menschen, etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung, ihr Leben – und Zeitgenossen, die die armen Seelen vor den Stadttoren mitzählten, kamen gar auf 200.000 Tote.

          Ein Frühjahr, dessen milde Temperaturen einen eigenartigen Gegensatz bilden zu häuslichen Quarantänen, die von Ängsten und dem bangen Blick auf Todeszahlen begleitet werden – noch Anfang 2020 hätte dieses Szenario nicht als Zukunftsvision gegolten, sondern als Blick in eine als finster qualifizierte Vergangenheit. Die Entwicklungen der Corona-Pandemie überraschten und überforderten die seuchenentwöhnten modernen Gesellschaften, die nach Möglichkeiten suchten, die Situation einzuordnen: In Deutschland und Frankreich schnellten die Verkaufszahlen des Romans „Die Pest“ hoch, in dem Albert Camus freilich nicht mit der Infektionskrankheit, sondern den Auswirkungen nationalsozialistischen Terrors rang.

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