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Osteoporose : Nachhaltige Stärkung für morsche Knochen

  • -Aktualisiert am

Eine neue Studie beweist: Die langfristige Einnahme von Bisphosphonat ist offenbar sicher und wirksam. Wofür Waschmittel eben so alles gut ist.

          Bei der Osteoporose geht Knochenmasse verloren, und die Mikroarchitektur des Knochens verändert sich. Die Folge sind Schmerzen und ein erhöhtes Risiko für Brüche. Zur Behandlung dieses Leidens, von dem allein in Deutschland mehrere Millionen Menschen - meist Frauen - betroffen sind, nutzt man seit etlichen Jahren sogenannte Bisphosphonate. Jetzt wurden erstmals Daten zur langfristigen Sicherheit dieser ursprünglich aus der Waschmittelindustrie stammenden Substanzklasse bekannt. Demnach kann die untersuchte Substanz Alendronat zehn Jahre lang bedenkenlos eingenommen werden, ohne dabei an Wirkung zu verlieren.

          In der Vergangenheit war immer wieder die Sorge geäußert worden, daß sich eine zunehmende Mineralisation des Knochens durch die Bisphosphonate mit der Zeit nachteilig auswirken könnte. Wie sich jetzt aber gezeigt hat, führt die langfristige Einnahme von Alendronat nicht dazu, daß die Knochen mit der Zeit brüchiger statt fester werden. Allerdings konnte die neue Studie nicht den Beweis dafür liefern, daß die Dauerbehandlung mit Alendronat das Risiko für einen Knochenbruch senkt, was schließlich das Ziel dieser Behandlung ist. Dazu war vermutlich die Anzahl der untersuchten Patienten zu klein. In früheren, nur auf drei Jahre angelegten klinischen Studien war eine solche Senkung zweifelsfrei nachgewiesen worden, was zur Zulassung dieser Substanzklasse für die nach der Menopause auftretende Osteoporose geführt hat. Es ist deshalb nach wie vor offen, ob Bisphosphonate eher kurz- oder eher langfristig eingenommen werden sollen.

          Wie lange hält die Wirkung an

          Bisphosphonate sind Abkömmlinge des Pyrophosphats. Sie verbinden sich mit einem Mineralstoff des Knochens, dem Hydroxylapatit, aus dem sie während des Knochenabbaus wieder freigesetzt werden. Die knochenabbauenden Zellen reagieren auf das freigesetzte Bisphosphonat mit einer Verminderung ihrer Aktivität. Daraus ergeben sich drei Konsequenzen. Zum einen wird der Knochenumbau verlangsamt, was an einer Abnahme der am Umbau beteiligten Enzyme zu erkennen ist. Zum anderen wird der Knochen besser mineralisiert. Das äußert sich in einer Zunahme der Knochendichte. Und beide Prozesse zusammen führen dazu, daß es seltener zu Brüchen kommt. Allerdings war bisher nicht bekannt, wie lange diese Wirkung anhält und ob sich mit der Zeit mehr Nebenwirkungen, vielleicht sogar eine erhöhte Bruchgefahr, einstellen.

          Die jetzt im "New England Journal of Medicine" (Bd. 350, S. 1189) vorgestellte Studie ist die Verlängerung einer früheren Untersuchung. Sie wurde von Henry G. Bone von der Bone and Mineral Clinic in Detroit organisiert und deckt einen Zeitraum von zehn Jahren ab. Beteiligt waren 37 Zentren aus aller Welt. Allerdings reduzierte sich die Zahl der in die Studie einbezogenen Patientinnen während dieser Zeit drastisch. Ursprünglich waren knapp eintausend Frauen mit Osteoporose nach der Menopause behandelt worden. Zum Ende hin sank diese Zahl auf ein Viertel, was die Aussagekraft der Studie deutlich einschränkt.

          Etwas erhöhte Knochendichte

          Ein Teil der Frauen war zunächst entweder mit zwanzig, zehn oder fünf Milligramm Alendronat täglich behandelt worden, ein weiterer Teil erhielt ein wirkstoffloses Präparat. Die Frauen, die fünf oder zehn Milligramm erhalten hatten, wurden zehn Jahre lang mit diesen Mengen weiterbehandelt. Die Frauen, die ursprünglich zwanzig Milligramm Alendronat am Tag eingenommen hatten, bekamen im vierten und fünften Studienjahr noch fünf Milligramm und danach fünf Jahre lang keinen Wirkstoff mehr. Sie gehörten zu der Gruppe, deren Therapie frühzeitig beendet worden war. Alle Studienteilnehmerinnen nahmen zudem noch eine größere Menge Kalzium ein. Die Einnahme von Vitamin D war zwar erlaubt, aber nicht vorgeschrieben.

          Die Forscher achteten vor allem auf Veränderungen bei der Knochendichte und auf Nebenwirkungen. Knochenbrüche galten als Nebenwirkung, nicht als mangelnde Wirkung. In der Gruppe der Frauen, die mit zehn Milligramm Alendronat behandelt worden waren, hatte die Knochendichte in der Lendenwirbelsäule während der zehn Jahre um fast vierzehn Prozent zugenommen. Im Oberschenkelhalsknochen war sie um zehn Prozent gestiegen. Die Aktivität der am Knochenumbau beteiligten Enzyme war während dieser Zeit um fünfzig Prozent gesunken. Jene Patientinnen, die fünf Milligramm Alendronat erhalten hatten, wiesen ebenfalls eine etwas erhöhte Knochendichte auf.

          Keine schweren Nebenwirkungen

          Bei den Frauen, die nur fünf Jahre lang mit Alendronat behandelt worden waren, dann aber keinen Wirkstoff mehr bekommen hatten, nahm die Knochendichte zwar langsam wieder ab. Besonders in den bruchanfälligen Regionen des Skeletts, etwa dem Oberschenkelknochen, blieb sie aber über dem Ausgangswert. In der Lendenwirbelsäule wurde nach zehn Jahren ein Wert erreicht, der dem in der mit fünf Milligramm Alendronat behandelten Gruppe entsprach. Daß die Wirkung der Bisphosphonate auch nach dem Absetzen so lange anhält, hat mit der Halbwertszeit des Wirkstoffs zu tun. Durch die Bindung an das Hydroxylapatit im Knochen wird das Bisphosphonat erst allmählich freigesetzt und ist auch nach Jahren noch nachweisbar. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten während des gesamten Behandlungszeitraums nicht auf.

          Die Studie belegt zwar die langfristige Sicherheit von Alendronat, läßt aber einige Fragen unbeantwortet. Darauf hat Gordon Strewler von der Harvard Medical School in Boston in der gleichen Ausgabe des Medizinjournals hingewiesen (S. 1172). Unklar ist nach wie vor, inwieweit die Ergebnisse auf andere Bisphosphonate übertragen werden können, vor allem auch, was deren langfristige Sicherheit anbelangt. Offen ist auch, wie lange diese Substanzen eingenommen werden sollen, bis ein optimaler Effekt erzielt ist, und wie die lange Halbwertszeit mit einkalkuliert werden soll. Diese Fragen werden in weiteren Studien geklärt werden müssen.

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