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Organspende : Nein geht auch

Eine Organspende kann Leben retten. Für Angehörige des toten Spenders bleibt es eine schwere Entscheidung. Bild: dpa

Zwang? Manipulation? Der vorgeschlagene Systemwechsel in der Organspende würde zu nichts verpflichten, außer zur Pflicht, sich endlich zu erklären – auch sich selbst zuliebe.

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          Wer spendet, hilft Menschen in Not. Wer nicht spendet, hilft sich selbst mit einer Notlüge. Das ist, nicht immer, aber jetzt wieder sehr sichtbar, ein Dilemma der Organspende. Der Gesundheitsminister will die Organspende neu regeln, weil bisher schlichtweg jeder Versuch, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen, gescheitert und sie so erbärmlich niedrig ist wie nie zuvor. Nicht mit Spenderzwang, nicht durch Manipulation soll die Wende geschafft werden, wie sich mancheiner einredet, auch nicht durch eine „Lizenz zur Zwangsausschlachtung“, wie die von Jens Spahn favorisierte Widerspruchslösung schmutzig genug tituliert wurde, sondern durch einen regulären Gesetzesvorschlag und eine reguläre rechtsstaatliche Debatte um Ethik und Selbstbestimmung.

          Künftig soll also jeder Organspender sein, sofern er, sie oder die Angehörigen dem nicht widersprechen. Ein Nein geht auch.

          Besser mit Organspenderausweis

          Die Widerspruchslösung (statt der deutschen Entscheidungslösung bisher) gilt in 18 europäischen Ländern, im katholischen Irland, in Spanien, Frankreich, Österreich, Belgien, Luxemburg, seit kurzem auch in den Niederlanden. Wer sich dort aufhält und verunfallt ist ein potentieller Organspender. Es gilt immer das Recht des Gastlandes. Hierzulande sind vier von fünf Erwachsenen bereit, nach dem Ableben Organe zu spenden – historisch viele. Nur 36 Prozent aber besitzen einen Spenderausweis. Obwohl jeder von heute auf morgen auf ein Organ angewiesen sein kann, gibt es die Einsicht, dass man sich besser früh zur Organspende (oder eben dagegen) bekennt, bei vielen nicht. Das wird sich, so ist zu hoffen, mit der Widerspruchslösung ändern – den schwerkranken Nächsten auf der Warteliste zuliebe und auch sich selbst.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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