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Nächtliche Ohrwürmer : Wenn Musik die Nachtruhe stört

Gefährliche Nachtmusik: Ohrwürmer können den Schlaf stören. Bild: dpa

Musik gilt als wirksame Einschlafhilfe. Eine psychologische Studie legt nun allerdings nahe, dass sie die Qualität der Nachtruhe mindern kann.

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          Die Art und Weise, wie das menschliche Unterbewusstsein operiert, hätte durchaus Optimierungspotential – das kann man jetzt nach einem Jahr der Pandemie wohl bilanzieren. Wie praktisch wäre es gewesen, wenn die Einschränkungen des Alltags im Rahmen nächtlicher Träume einen Gegenpol hätten finden können. Wilde Partys, ungehemmte Kuschelhaufen, sorglose Fernreisen – all das hätte man schließlich problemlos schlafend zelebrieren und genießen können. Stattdessen berichten Psychologen auf der Grundlage umfangreicher Studien weltweit von deutlich gehäuft auftretenden Albträumen, in denen sich die Probleme und Ängste der Pandemie fortführten und intensivierten.

          Das wird sich wohl so schnell auch nicht ändern. Das Unterbewusstsein kann nachtragend sein. Dass es zudem leider auch schwer manipulierbar ist, haben nun Psychologen der amerikanischen Baylor University bestätigt. Im Journal Psychological Science untersuchten sie die Wirkung von vor dem Einschlafen gehörter Musik auf die Qualität der Nachtruhe. Bislang dachte man, dass sie auf einfache Weise für Entspannung und guten Schlaf sorgen kann – Erfahrungsberichte hatten das nahegelegt.

          Die Psychologen maßen nun methodisch gründlich nach: im Schlaflabor und anhand neuronaler Messungen. Das Ergebnis war überraschend. Demnach stört der Konsum bestimmter Musik den Schlaf, statt ihn zu fördern. Verantwortlich dafür seien nächtliche Ohrwürmer. Das Gehirn verarbeite mitunter Melodien noch Stunden nach dem Hören und komme so nicht zur Ruhe. Stärker sei dieser Effekt bei instrumenteller Musik ohne Text im Vergleich zu Stücken mit Gesang. Auch schnelles Tempo und häufige Wiederholungen seien Risikofaktoren, genau wie intensiver Musikkonsum im Allgemeinen. Anhand von EEG-Messungen erhielten die Forscher zudem einen Hinweis auf den Zweck nächtlicher Ohrwürmer: Zur Konsolidierung von Erinnerungen würden diese dienen.

          Man mag sich fragen, wie zielführend das ist, wenn sie dabei den Schlaf stören. Aber da sich das Unterbewusstsein bekanntlich wenig um rationale Nachfragen schert, bleibt die Frage, was dann noch bleibt als Hilfsmittel gegen pandemische Schlafstörungen. Die Psychologen schlagen das abendliche Niederschreiben der eigenen Sorgen vor. Einen Versuch ist es wert. Man darf nur nicht der Versuchung erliegen, dabei das Lied „Don’t worry, be happy“ vor sich hin zu summen.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

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