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Corona-Krise : Die Weite Welt um Wuhan

Donald Trump sucht auch in der Corona-Krise schnell nach einem Schuldigen, um von den eigenen Versäumnissen abzulenken. Bild: Reuters

Ob das neue Coronavirus nun einem Labor in China entwichen ist oder aus der Natur stammt: Haben wir im Moment keine wichtigeren Probleme?

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          Natürlich, man kann es sich leichtmachen wie Donald Trump. Irgendein Schuldiger ist schnell gefunden, wenn einem nichts anderes mehr einfällt, um von Versäumnissen abzulenken. Statt vernünftigen Argumenten zu folgen, neue Konzepte zu suchen und sich den vorrangigen Problemen im Land anzunehmen, soll sich das Volk nun von den Beschränkungen selbst „befreien“. Zuvor erfolgte ein öffentlich wirksamer Angriff auf die Weltgesundheitsorganisation im Stellvertreterkampf, da China und das Coronavirus vielleicht doch zu mächtige Gegner sind. Für diesen Sündenbock war auch schnell eine Strafe zur Hand, und sei es nur vorläufig, als Drohgebärde: die milliardenschwere Förderung gestoppt.

          Was wie ein simpler bürokratischer Akt erscheint, gefährdet Menschenleben, weltweit, wenn die Unterstützung für ein allgemeines Gesundheitswesen tatsächlich ausbleiben sollte, zu der sich die WHO-Mitgliedstaaten anteilsmäßig verpflichtet haben. Man müsste zahlreiche Programme abbrechen, oder das Geld aus anderen Fördertöpfen nehmen. Davon können später auch die amerikanischen Nothilfe-Schecks nicht ablenken, auf denen unübersehbar der Name eines Mannes prangen soll, der allerdings keinen Cent des eigenen Vermögens dafür hergab. Im Gegensatz zu Bill Gates, dessen Stiftung jetzt zusätzliche Millionen lockermacht, um in der Pandemie zu helfen.

          Das Coronavirus in einer elektronenmikroskopischen Aufnahme des amerikanischen National Institute of Health.
          Das Coronavirus in einer elektronenmikroskopischen Aufnahme des amerikanischen National Institute of Health. : Bild: dpa

          Es kostet Menschenleben, stoppt man die humanitäre und medizinische Hilfe

          Man könnte es also wie er machen und bekäme wie bereits Anthony Fauci, Amerikas unermüdlicher Mahner zur Vernunft, prompt zu spüren, dass Ignoranten lieber andere attackieren, statt sich demütig in Eigenverantwortung zu üben. Aber das hält zum Glück weder Gates noch Fauci davon ab, die aktuelle Lage ernst zu nehmen und sich in erster Linie darum zu kümmern, dass Menschen geholfen wird, als sich mit dubiosen Anfeindungen aufzuhalten.

          Berechtigte Kritik darf und muss sein, auch an der WHO, Stiftern, Behörden oder Instituten, doch nicht um Verwirrung zu stiften oder die Bevölkerung zu verunsichern, sondern um aufzuklären, damit es besser läuft. Deshalb trägt das Gerücht, dass der Erreger Sars-CoV-2 einem Labor entwichen sein könnte, jetzt wenig zur Lösung akuter Probleme bei. Trotzdem wurde es zum viralen Hit, alle wollen es ja schon immer gewusst haben, denn es gibt neuerdings Tausende Experten, die von morgens bis abends an ihren Computern sitzen, stets das weltweite Web vor Augen. Woher das neuartige Coronavirus stammt, ist nach wie vor unklar. Die Anfänge der Pandemie liegen im Dunklen, doch es gibt etliche Forscher, die daran arbeiten, den Ursprung über Umwege aufzuklären, weil der direkte Weg blockiert ist.

          In der Gerüchteküche löst man keine Probleme

          Sie nähern sich mit ihren Untersuchungen zu Spikeproteinen, Binde- und Spaltstellen, ziehen Vergleiche zu anderen Viren, interpretieren Sequenzen und wägen die Bedeutung der veränderten Aminosäureblöcke ab. Die Feinheiten solcher Analysen sind jedoch echten Experten vorbehalten, deshalb ist es durchaus beruhigend zu sehen, dass Andrew Rambaut, ein Evolutionsbiologe der Universität in Edinburgh, per Twitter nur auf eine Studie verweist, die er mit internationalen Kollegen Mitte März veröffentlicht hatte. Sie schließen darin nicht auf ein Laborszenario, fordern aber natürlich mehr – Proben, Daten, Versuche, stichhaltige Belege und Transparenz.

          Machen wir es also lieber wie all jene Forscher, Ärzte, Pflegekräfte und sonstigen Helfer, die smart und unerschrocken weiterkämpfen, das Coronavirus als unser aller Feind vor Augen. Alles andere ist im Moment doch wirklich Nebensache.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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