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Nobelpreisdankesrede von Harald zur Hausen : Vom Kampf gegen eine Krankheit aus den Anfängen der Evolution

  • -Aktualisiert am

Der Heidelberger Virologe Harald zur Hausen in Stockholm umrahmt von seinen Söhnen Gerrit und Axel Bild: picture-alliance/ dpa

In seiner Dankesrede zur Verleihung des Nobelpreises für Medizin weist der Heidelberger Virologe Harald zur Hausen auf die neuen Möglichkeiten bei der Bekämpfung des Gebärmutterhalskrebses hin, die seine Forschungen in Aussicht stellen.

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          Eure Majestäten, Eure Königlichen Hoheiten, Exzellenzen, geschätzte Kollegen und Gäste, meine Damen und Herren,

          die Auszeichnung mit dem Nobelpreis in Physiologie oder Medizin ist eine der höchsten, die ich mir vorstellen kann. Auch im Namen der mit mir Geehrten, Dr. Françoise Barré-Sinoussi und Dr. Luc Montagnier, möchte ich unsere Dankbarkeit und unsere große Freude in diesem denkwürdigen Moment ausdrücken.

          Besonders im Bereich der Medizin gibt es eine große Zahl von Preisen und Auszeichnungen, aber keine davon hat einen vergleichbaren Ruf oder eine solche Strahlkraft wie der Nobelpreis. Dies hat sogar meine dreijährige Enkelin Hanna sofort eingesehen: Als ihre Eltern ihr vom Nobelpreis erzählten und dass ihr Großvater ihn bekäme, fing sie an zu weinen. Mit Tränen in den Augen sagte sie den Eltern, sie wolle auch einen Nobelpreis. Als ich dies einem Kollegen schilderte, wurde seine Miene nachdenklich und er sagte: „Ihre Enkelin hat den Wunsch einer Legion von Wissenschaftlern ausgesprochen, nur dass die meisten nicht gern darüber reden und nicht öffentlich in Tränen ausbrechen.“

          Harald zur Hausen nimmt den Nobelpreis im Stockholmer Konzerthaus entgegen

          Die diesjährigen Preisträger beschäftigen sich mit medizinischen Problemstellungen größter Vielfalt: AIDS ist eine globale Plage, die bereits Millionen Infizierte das Leben gekostet hat. Die Entdeckung des verantwortlichen Erregers für die sexuell übertragbare Seuche hat nun zu Erfolgen bei der Prävention, der Früherkennung der Infektion und vor allem zur Entwicklung der antiviralen Therapie geführt, die zumindest denen, die sie sich leisten können, das Leben rettet.

          Auch der Gebärmutterhalskrebs geht auf eine sexuell übertragbare Infektion zurück, bei der besondere hochrisikobehaftete Papillomviren übertragen werden. Diese Krebsart ist die bei Frauen zweithäufigste, die weltweit jährlich 250.000 Frauen das Leben kostet und der im Laufe der Geschichte bis heute wahrscheinlich mehrere hundert Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Erkennung der Erreger hat nun die Entwicklung eines Impfstoffes ermöglicht, der die globalen Opferzahlen überall dort drastisch reduzieren könnte, wo man für ihn aufkommen kann. Während HIV erst in den letzten Jahrzehnten auf Menschen übertragbar wurde, begleiten die hochrisikobehafteten Papillomviren die Menschheit aller Wahrscheinlichkeit nach schon seit den Anfängen der Evolution.

          Jeder von uns Geehrten ist dem Nobelpreiskomitee, der Nobel-Stiftung und jenen, die uns als Preisträger vorgeschlagen haben, überaus dankbar. Darüber hinaus gebührt großer Dank auch unseren Mentoren und allen, die uns von der Schulzeit an und an der Universität über Jahre begleitet und zur Forschung ermutigt haben.

          Persönlich danken möchte ich meinen Mentoren Werner und Gertrude Henle in Philadelphia und Eberhard Wecker in Würzburg, die es mir früh ermöglichten, meine eigene Forschungsgruppe zu gründen und Ideen zu verfolgen, die damals als unorthodox galten. Viele fähige und ausgezeichnete Kollegen haben mich über die letzten Jahrzehnte begleitet und maßgeblich zu den Studien beigetragen, die zu diesem Preis führten. Einige ihrer Namen lauten Lutz Gissmann, Ethel-Michele de Villiers, Mathias Dürst, Michael Boshart, Elisabeth Schwarz, Magnus von Knebel Doeberitz und Frank Rösl, aber auch noch viele andere hätten die persönliche Erwähnung hier verdient.

          Auf ganz persönlicher Ebene möchte ich meinen verstorbenen Eltern danken, die alles für mich getan haben, sowie meinen Brüdern und meiner Schwester, besonders in der schwierigen Zeit im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Meine eigenen drei Söhne hatten die häufige Abwesenheit des Vaters zu erdulden. Besonders danken möchte ich schließlich meiner Frau Ethel-Michele de Villiers, die mich nicht nur als Wissenschaftlerin stets unterstützt hat, sondern auch zuhause. Für alle meine Verwandten und Freunde sowie für meine Mitpreisträger ist es ein äußerst angenehme und freudige Erfahrung, hier eingeladen zu sein. Nochmals herzlichen Dank.

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