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Nobelpreis für Medizin : Die Früchte eines Doppellebens

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Sein größter Erfolg war die Entwicklung eines Impfstoffs gegen jene Human-Papillomviren, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Aber auch als Wissenschaftsmanager leistete er Bedeutendes. Heute erhielt Harald zur Hausen den Nobelpreis für Medizin.

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          An hohen wissenschaftlichen Auszeichnungen mangelt es Harald zur Hausen gewiss nicht. Die Liste ist an diesem Montag gekrönt worden – mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie. Für den 72 Jahre alten Virologen dürfte dies eine Genugtuung bedeuten. Schließlich war der gebürtige Gelsenkirchener mit seinen Forschungen an Human-Papillomviren schon von Anfang an auf Skepsis gestoßen, und auch als er den Erfolg seines Lebenswerkes in Form der ersten „Krebsimpfung“ präsentieren konnte, erntete er nicht nur Zustimmung.

          Stein des Anstoßes war eine medizinisch revolutionäre These, die Harald zur Hausen in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts propagiert hatte. Bestimmte Papillomviren sollten demnach an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sein. Krebs durch Viren – das widersprach einem Dogma. Viele hielten daher das Vorhaben, in Tumorgewebe nach Papillomviren zu fahnden, für abwegig. Sie wurden eines Besseren belehrt. So hat sich gezeigt, dass bei Gebärmutterhalskrebs fast immer Viren zu finden sind.

          Pionier und Wissenschaftsmanager

          Seine bahnbrechenden Forschungen hat zur Hausen, der Biologie und Medizin studiert hat, zunächst in Würzburg, Erlangen und Freiburg vorgenommen. Im Jahr 1983 kam er als Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands an das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Für ihn begann nun ein Doppelleben, das er höchst erfolgreich führte. Als Wissenschaftsmanager verschaffte er mit straffer Hand dem damals kriselnden Krebsforschungszentrum internationale Anerkennung, und als Forscher leistete er weiter Pionierarbeit.

          Der größte Triumph zur Hausens ist die von ihm begründete Impfung gegen jene Human-Papillomviren, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Aber genau diese ist umgehend in die Kritik geraten. So wurde in Anbetracht der hohen Kosten angemerkt, Gebärmutterhalskrebs mache „nur“ rund drei Prozent der Krebsneuerkrankungen aus. Zur Hausen sieht darin eine Verharmlosung, kontert mit absoluten Zahlen, denen zufolge allein in Deutschland jährlich annähernd 1700 Frauen an diesem Krebs sterben.

          Die Kosten für den Impfschutz sind aber auch aus seiner Sicht überhöht. Was die Krebsforschung in Deutschland allgemein betrifft, sieht er noch etliche Defizite, insbesondere in der Koordination der unterschiedlichen Vorhaben. Im Hinblick auf die Forschungsgelder frönt er dem Leistungsprinzip: „Wer sehr gut ist, bekommt mehr, wer nur gut ist, muss sich mit weniger zufriedengeben.“ Der Nobelpreis, der zur Hälfte an Harald zur Hausen geht, ist mit einer Million Euro dotiert.

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