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Hepatitis C : Gelbsucht heilen, kräftig löhnen

  • -Aktualisiert am

Das Netz der Hepatitisforscher: Je dicker der Punkt ist, desto mehr hat der Autor veröffentlicht. Jede Linie verbindet ihn mit weiteren Ko-Autoren. Bild: Source: Lamb A

An diesem Montag war Welt-Hepatitis-Tag. Normalerweise Routine. Aber jetzt kommt ein neues Medikament. Die Frage ist: Wer kann es sich leisten?

          Vor Aids fürchtet sich jeder. Vor Tropenkrankheiten auch. Aber Gelbsucht? Dagegen kann man sich doch impfen lassen, denken die meisten. Doch das stimmt leider nur zum Teil. Wirksame Vakzine gibt es nur gegen Hepatitis A und B. Gegen Hepatitis C ist die Impfkunde machtlos.

          An Leberversagen, hervorgerufen durch das Virus HCV, sterben deutlich mehr Menschen als am Aidsvirus HIV. Winzige Mengen verseuchten Blutes reichen schon, um sich zu infizieren. Ein Viertel aller Lebertransplantationen werden an chronisch erkrankten Hepatitis-C-Patienten durchgeführt.

          Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts tragen zwischen 200 000 und 600 000 Bundesbürger den Erreger in sich. Immerhin 0,4 Prozent aller Blutspenden sind damit verseucht. Vier von fünf Infizierten ahnen überhaupt nichts von ihrer Ansteckung. Hepatitis C ist eine „stumme Seuche“, weil sich die Leberzellen, in denen der Erreger sein Unwesen treibt, jahrelang regenerieren. Das Unheil wird meist erst sichtbar, wenn die Leberwerte verrückt spielen. Dann aber haben chronische Entzündungsprozesse meist schon Narben gefressen, es drohen Leberverhärtung und Leberkrebs.

          Folgen erst nach 25 bis 40 Jahren spürbar

          Die meisten Betroffenen haben sich hierzulande vermutlich vor 1990 angesteckt. Bis zu diesem Zeitpunkt war es nicht möglich, den Erreger, dessen Erbgut nicht aus DNA, sondern aus der schwieriger nachzuweisenden RNA besteht, in Blutkonserven aufzuspüren. Nachdem das gelungen war, schied die Blutspende als Übertragungsweg weitgehend aus. Andere Risiken blieben: Drogenkonsum durch infizierte Nadeln, verletzungsträchtige Sexualpraktiken, bei denen Blut fließt, sowie der Kontakt mit verseuchten scharfkantigen Instrumenten, etwa bei unsachgemäß durchgeführten Tätowierungen.

          Die Folgen einer Infektion mit Hepatitis C sind häufig erst nach 25 bis 40 Jahren spürbar. Lange Zeit gab es keine Therapie, die ohne schwere Nebenwirkungen auskam. Insbesondere die Verabreichung von Interferonen führte zu solchen Qualen, dass sich ein Großteil der diagnostizierten und aus Sicht der Ärzte behandlungsbedürftigen Patienten verweigerte.

          Auf diesem Gebiet ereignet sich nun eine kleine Sensation. Selbst Ärzte kommen kaum noch nach mit der Aktualisierung ihrer Empfehlungen. Die neuesten Behandlungsleitlinien finden sich derzeit noch nicht einmal in den Fachzeitschriften, sondern online (http://bit.ly/1x6fY9t und www.hcvguidelines.org). „Wir erleben seit Anfang des Jahres eine Revolution mit hochwirksamen, verträglicheren und verkürzten Therapien in Tablettenform, die Hepatitis-C-Viren im Körper der meisten Infizierten eliminieren können“, sagt Christoph Sarrazin vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main, der die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie fortschreiben hilft. Darin tauchen Wirkstoffe mit Namen wie Sofosbuvir und Simeprevir auf; demnächst sollen mit Daclatasvir, Ledipasvir und Asunaprevir weitere Medikamente hinzukommen. Sie alle wurden in den Labors von Pharmafirmen wie Gilead, Janssen-Cilag, Bristol-Myers Squibb und AbbVie entwickelt und können erstmals direkt und spezifisch in den Lebenszyklus der HC-Viren eingreifen.

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