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Neue Krankheit : Blutspender hatte Infektion mit Usutu-Virus hinter sich

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Erstmals ist bei einem Menschen in Deutschland eine Infektion mit dem aus Afrika stammenden Usutu-Virus nachgewiesen worden. Wissenschaftler um Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg untersuchten 4200 Proben von Blutspendern aus der Region zwischen Frankfurt und Freiburg, in der das Virus bisher besonders häufig aus Amseln, einigen anderen Vögeln und Stechmücken isoliert werden konnte. In einer Probe wurden die Forscher fündig: Ein Mann aus dem Kreis Groß-Gerau hatte IgG- und IgM-Antikörper gegen den Erreger im Blut, also eine Infektion durchgemacht. Fieber oder andere Krankheitsanzeichen in der Vergangenheit hatte der Blutspender allerdings nicht angegeben, als er die Spende im Januar abgab. Dass auch IgM-Antikörper nachgewiesen werden konnten, weist darauf hin, dass die Infektion noch nicht lange zurückliegt, also wahrscheinlich im Spätsommer 2011 stattfand, als die Überträgermücken aktiv waren. „IgG-Antikörper sind die klassische Seronarbe, die Jahrzehnte später noch sichtbar ist“, sagt Schmidt-Chanasit. „Hätten wir nur sie gefunden, hätte die Infektion irgendwann gewesen sein können, auch vor Jahren.“ So lässt sich die Infektion dem aktuellen Ausbruch der Krankheit in Deutschland zuordnen.

          Durch das Usutu-Virus zerstörte Zellen einer Amsel unter dem Mikroskop
          Durch das Usutu-Virus zerstörte Zellen einer Amsel unter dem Mikroskop : Bild: dapd

          Erst seit dem Jahr 2011 tritt das Usutu-Virus in Deutschland auf. Das Virus war erstmalig 2001 in Europa registriert worden; damals verursachte es in Wien ein Amselsterben. Danach kam es zu kleineren Ausbrüchen in Ungarn, der Schweiz und in Italien. Im Sommer 2011 löste das Virus im Südwesten Deutschlands ein Massensterben von Amseln aus. Der Erreger, der zur Gattung Flavivirus gehört, wird durch Mücken auch auf Menschen übertragen. Meistens erzeugt er nur leichte grippale Symptome. Immungeschwächte können aber auch eine Gehirnentzündung entwickeln, wie es etwa bei zwei Patienten in Italien im Jahr 2009 der Fall war.

          Mücken in Heidelberg massiv befallen

          Schmidt-Chanasit wies das Virus Anfang 2012 in Mücken aus den stark betroffenen Gegenden in Deutschland nach. Fast die Hälfte der gepoolten Mückenproben war befallen, in Heidelberg sogar fast alle, weshalb der Mediziner schon damals mit Infektionen auch beim Menschen rechnete. Allerdings war unter den bisher dreißig Proben, die Ärzte in den vergangenen anderthalb Jahren mit dem Verdacht auf Usutu-Virus - aufgrund von Symptomen und Mückenstichen - nach Hamburg geschickt haben, keine positiv. Dass nur ein einziger Blutspender eine Infektion durchgemacht hat, ist nach Schmidt-Chanasits Einschätzung ein Grund zur Entwarnung. Trotzdem muss nun die Sicherheit von Blutspenden überprüft werden. Bei dem infizierten Spender wurden nicht die Viren selbst nachgewiesen, nur Antikörper, so dass Empfänger nicht gefährdet gewesen wären. Als Nächstes werden die Hamburger Forscher mehrere zehntausend Blutspenden aus der Ausbruchsregion mittels PCR-Verfahren untersuchen, womit ein direkter Nachweis des Virus möglich ist. Sollte dann tatsächlich Usutu-Virus in Spenderblut gefunden werden, müsse das Robert Koch-Institut involviert werden, sagt Schmidt-Chanasit. Dann gelte es, eine Risikoeinschätzung im Hinblick auf Blutspenden vorzunehmen: „Das ist dann ein anderes Kaliber.“

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