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Nanotherapie : Hitze gegen Hirntumore

Röntgenbilder mit einem Hirntumor Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

An der Berliner Charité wurde eine neue Behandlung aggressiver Hirntumore entwickelt: Das kranke Gewebe wird dabei mit injizierten Nanopartikeln von Eisenoxid bis zu siebzig Grad erhitzt.

          Aggressive und schnell wachsende Hirntumore, sogenannte Glioblastome, lassen sich wirksam dadurch angehen, dass man das kranke Gewebe mit magnetischen Nanopartikeln stark erhitzt. Das belegen die Ergebnisse einer seit dem Jahr 2004 an der Charité in Berlin laufenden Studie, in der der Nutzen des neuen Verfahrens an 59 Patienten, die einen Rückfall erlitten hatten, untersucht wurde. Sie überlebten rund dreizehn Monate und somit mehr als doppelt so lange wie Betroffene, die man auf herkömmliche Weise - mit Chirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie - behandelt hatte.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Bei dem neuen Therapieansatz, den Andreas Jordan, Gründer der Firma Magforce, gemeinsam mit Forschern und Ärzten der Charité und des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin entwickelt haben, werden mit Biomolekülen umhüllte magnetische Eisenoxidpartikeln in das Tumorgewebe injiziert und mit einem magnetischen Wechselfeld bis zu 70 Grad erhitzt. Die Hitze zerstört die Tumorzellen oder macht sie empfindlicher für eine anschließende Strahlentherapie oder Chemotherapie, wobei gesundes Gewebe weitgehend geschont wird.

          Zulassung der Therapie bereits beantragt

          Gegenüber den herkömmlichen Ansätzen wie Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung ist die Magnetflüssigkeits-Hyperthermie erstaunlich verträglich. Die Patienten würden, abgesehen von den Symptomen ihrer Grunderkrankung, bei der Behandlung allenfalls ein leichtes Wärmegefühl verspüren, so Jordan. Voraussetzung sei allerdings, dass Kranke in einem frühen Stadium des Rückfalls behandelt würden. Die Hirntumore sollten die Größe von sieben Zentimetern im Durchmesser nicht überschritten haben.

          Die Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie sind umso erstaunlicher, als die Therapie an Patienten nach einem Wiederaufflammen des Tumors ausgeführt wurde, bei denen alle übrigen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgereizt waren. Die Lebenserwartung bei einem nachwachsenden Glioblastom, das als unheilbar gilt, liegt im Mittel bei sechs Monaten.

          Jordan und seine Kollegen haben kürzlich die Zulassung der Therapie in der Europäischen Union beantragt. Eine Entscheidung hierüber soll bis Ende des zweiten Quartals des kommenden Jahres vorliegen. Dann könnten auch Patienten außerhalb von Studien behandelt werden. Nach einer Entwicklungszeit von mehr als zwanzig Jahren wäre die Thermotherapie mit magnetischen Eisenoxidpartikeln dann das erste zugelassene medizinische Verfahren, das auf der Nanotechnik beruht.

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