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Mutationen und Impf-Chancen : Das gezähmte Virus

Schützender Tropfen: Noch müssen sich die Impfstoff-Kandidaten in Tests beweisen. Bild: Photographer's Choice RF/Getty I

Der Pandemie-Erreger verändert sich, und diese genetischen Spuren lassen erste Prognosen für die Impfstoff-Kandidaten zu. Passen die Impfstoffe noch? Statt zu zweifeln, denken manche Forscher schon an „Universalimpfstoffe“.

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          Gleich drei gute Nachrichten zur Pandemie verbinden sich mit einem wissenschaftlichen Befund der letzten Tage. Erstens: Sars-CoV-2 ist genetisch weiter konservativ und damit auch nicht wesentlich gefährlicher geworden. Zweitens: Die Immunantwort ist offenbar keineswegs so labil, wie das vereinzelt aus Antikörper-Studien geschlossen wurde. Und drittens: Wenn weiter alles so gut läuft in den klinischen Studien mit den Anti-Sars-CoV-2-Impfstoffen wie bis jetzt — abgesehen von dem jüngsten Rückschlag in der Impf-Zulassungsstudie der Oxford-Universität und der britischen Pharmafirma AstraZeneca — ist auf längere Sicht vielleicht sogar viel mehr drin als ein paar wirksame und sichere Impfstoffe: eine Art Universalimpfstoff auch gegen die künftigen Varianten des neuen Coronavirus. Ein alter Traum der Influenza-Impfstoffforscher könnte mit dem Pandemie-Erreger wahr werden.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Noch ist es allerdings nicht so weit. Und öffentlich wird davon auch weder von Virologen noch von Immunologen geträumt. Deshalb der Reihe nach. Zwei Publikationen der vergangenen Tage haben die bis in den Sommer weltweit entstandene genetische Bandbreite des Pandemie-Virus aufgezeigt. Dabei geht es um Mutationen in dem gut 30.000 Bausteine umfassenden RNA-Erbgut des Virus. Aus diesen bei der Vermehrung unvermeidlichen Genveränderungen kann man mittels ihrer Zahl und Verteilung in den unterschiedlichen Verbreitungsgebieten Hinweise auf evolutionäre Prozesse ableiten: Passt sich das Virus mittlerweile an den neuen Wirt – den Menschen – an und vermehrt sich leichter? Oder schwächt es sich eher ab? Sind die Genveränderungen vielleicht auch so gravierend, dass die mittlerweile 321 Impfstoffkandidaten in der Pipeline (von denen neun in der entscheidenden Testphase 3 sind) vielleicht gar nicht mehr wirken?

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