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Moderne Impfmedizin : „Eingeimpft“ - ein Film mit Nebenwirkung

Die Familienidylle des Regisseurs David Sieveking ist bedroht. Und der Zuschauer leidet mit. Bild: farbfilm verleih

Die Dokumentation „Eingeimpft“ handelt von Eltern, die der modernen Impfmedizin misstrauen. Dabei geraten Gefühle und Fakten arg durcheinander.

          7 Min.

          Ich fühle mich überhaupt nicht als Experte oder als Ratgeber, so will ich nicht verstanden werden“, stellt David Sieveking klar. Der Satz fällt allerdings nicht in seinem autobiographischen Dokumentarfilm „Eingeimpft – Familie mit Nebenwirkungen“, der jetzt am 13. September in die Kinos kommt und in den Tagen zuvor in Köln, Berlin und Frankfurt Premiere feiert. Mit diesen Worten ging der Regisseur vielmehr bei einem Treffen in einem Frankfurter Café auf Distanz zu seinem Werk. Es geht darin um das ebenso wichtige wie heikle Thema Impfen. Ein „ungeahnt heißes Eisen“, das Sieveking mit semidokumentarischen Mitteln bearbeiten wollte, als er der zur Beziehungskrise führenden Frage nachging, ob die eigene Tochter geimpft werden soll. Sein Begleitbuch will er als „autobiographische Erzählung“ verstanden wissen, als eine Art Entwicklungsroman: sämtliche Angaben ohne Gewähr.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Zentrum des Geschehens stehen Sieveking und Lebensgefährtin Jessica de Rooij, die Tochter Zaria und Baby Yentl. Die Familie liefert sowohl den Rahmen für die Handlung als auch die Hauptdarsteller, zu denen sich die verschiedensten Protagonisten gesellen, angefangen von der Hebamme bis hin zum Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts. Vor Berliner Kulisse spielen sich die typischen Szenen eines Paares zwischen 30 und 40 ab, mit Schwangerschaftsglück, Umzugsstress, durchwachten Nächten und Spielplatzdiskussionen nebst Medienjob. Alles ganz normal im Mittelstandsmilieu, wären da nicht noch die vielen Arztbesuche und Reisen des Autors. Entstanden ist eine anrührende Geschichte, die bereits das Prädikat „besonders wertvoll“ trägt, wobei sich die Frage aufdrängt, was diese inszenierte Authentizität eigentlich auszeichnet. Ist sie sehenswert, weil das vor den Augen des Zuschauers heranwachsende Kind am Ende doch geimpft wird? Oder ist zu loben, dass die Aufnahmen schonungslos schildern, auf welche abstrusen Ideen die Elterngeneration von heute kommt? Geht es darum, dass sie sich in Deutschland, im Hauptstadtflair jetzt um individuelle Befindlichkeiten und Luxusprobleme kümmern kann? Und Entwicklungen ablehnen kann, die in den 1970er Jahren entweder noch nicht existierten oder Eltern damals gar als Fortschritt begrüßten?

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