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Mittel gegen Bluthochdruck : Behandlung mit Schattenseiten

  • -Aktualisiert am

Mittel gegen Bluthochdruck haben ganz unterschiedliche Wirkungen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Befürchtung, dass manche Wirkstoffe gegen Bluthochdruck das Diabetesrisiko erhöhen, ist nicht neu. Nun aber haben Forscher bewiesen, dass es auch positiv wirkende Mittel gibt. Einige Fragen bleiben dennoch unbeantwortet.

          Einige Medikamente gegen Bluthochdruck scheinen das Diabetesrisiko zu verringern, andere hingegen zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis sind amerikanische Forscher bei der Analyse einschlägiger Studien gekommen. Als Klassenbeste erwiesen sich in der Untersuchung die Angiotensin-Antagonisten und die ACE-Hemmer, gefolgt von den Kalzium-Antagonisten und den Scheinmedikamenten. Das Schlusslicht bildeten die Betablocker und Diuretika.

          Dass die ansonsten altbewährten Wirkstoffe, die aufgrund ihrer geringen Kosten weltweit besonders häufig verschrieben werden, den Zuckerstoffwechsel ungünstig beeinflussen, hat man zwar schon früher beobachtet. Wie ausgeprägt diese Nebenwirkung ist, ließ sich aber nicht ermitteln. Denn zum einen sind Patienten mit hohem Blutdruck oft übergewichtig und tragen daher ohnehin ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zum anderen gibt es nur wenige Studien, in denen die einzelnen Hochdruckmittel systematisch auf diese Nebenwirkung hin untersucht worden sind.

          Besser als eine herkömmliche Meta-Analyse

          In der Hoffnung, mehr Klarheit zu erhalten, haben William Elliott und Peter Meyer von der Abteilung für Präventionsmedizin der Rush University in Chicago die vorhandenen Daten mit einer neueren statistischen Methode - der Network-Meta-Analyse - ausgewertet. Dieses Verfahren erlaubt es offenbar besser als eine herkömmliche Meta-Analyse, die Ergebnisse der unterschiedlichen Studien miteinander zu vergleichen und entsprechend zu gewichten.

          Wie die Forscher in der Online-Ausgabe des Medizinjournals „Lancet“ schreiben, entsprachen 22 klinische Studien den von ihnen geforderten Kriterien: Die darin einbezogenen rund 143.000 Patienten wiesen zu Beginn der Therapie keinen Diabetes auf und waren mit einem oder mehreren der einschlägigen Hochdruckmittel oder einem Scheinmedikament behandelt worden.

          Zehn Prozent mehr zuckerkranke Patienten

          Die Analyse führte zu dem Ergebnis, dass im Verlauf von durchschnittlich etwa vier Jahren in dem mit Betablockern behandelten Kollektiv bei zehn Prozent mehr Patienten eine Zuckerkrankheit aufgetreten war als in der Placebogruppe; nach Anwendung von Diuretika lag der Anteil der Betroffenen sogar um zwanzig Prozent höher.

          Die anderen Blutdrucksenker schienen demgegenüber den Zuckerstoffwechsel sogar eher günstig zu beeinflussen. So war das Diabetesrisiko der Patienten, die Angiotensin-Antagonisten erhalten hatten, um rund zwanzig Prozent niedriger als jenes der mit einem Scheinpräparat versorgten Personen; auch nach Einnahme von ACE-Hemmern traten etwa zehn Prozent weniger neue Diabetesfälle auf als nach der Anwendung von Placebos. Kalzium-Antagonisten übten offenbar keinen nennenswerten Einfluss auf den Zuckerhaushalt aus.

          Keine abschließenden Ergebnisse möglich

          Weshalb einige Hochdruckmittel das Diabetesrisiko erhöhen und andere das Gegenteil bewirken, konnte mit der neuen Untersuchung nicht geklärt werden. Auch bleibt offen, inwieweit Betablocker und Diuretika den Ausbruch der Zuckerkrankheit begünstigen oder lediglich beschleunigen. Sicher ist nur, dass man bei der Behandlung des Bluthochdrucks auf diese Medikamente bislang nicht verzichten kann. Ob aber den Diuretika bei der Hochdrucktherapie tatsächlich der höchste Stellenwert zukommen sollte, wie das die einschlägige amerikanische Fachgesellschaft empfiehlt, scheint fraglich.

          Allerdings kann auch die Analyse der amerikanischen Forscher nicht abschließend klären, wie groß das Diabetesrisiko nach Einnahme der verschiedenen Blutdrucksenker genau ist. Um diese Frage beantworten zu können, müsste man die einzelnen Arzneien in derselben Studie direkt miteinander vergleichen. Jedenfalls lässt es sich nur schwer vertreten, eine Krankheit wie die Hypertonie vorwiegend mit Medikamenten anzugehen, die potentiell Diabetes fördern.

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