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Mers-Virus : Importierte Fälle sind jederzeit möglich

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Krankenschwestern auf einem Kongress in Seoul; sie wollen sich mit Schutzmasken vor dem Mers-Virus schützen. Bild: AP

Das Robert-Koch-Institut nimmt zum Mers-Coronavirus Stellung und skizziert, wie groß das Risiko für Infektionen in Deutschland ist. Derweil hat eine deutsche Forschergruppe einen ersten Impfstoff entwickelt.

          Vor drei Jahren tauchte das Mers-Coronavirus (Mers-CoV) erstmals im arabischen Raum auf. Inzwischen weiß man immerhin, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit in Dromedarherden zirkuliert - das erklärt, warum Menschen, die professionell mit diesen Tieren umgehen, besonders gefährdet sind. Ansonsten sind aber immer noch viele Fragen offen im Hinblick auf das Virus, das wie der Sars-Erreger zu den Coronaviren gehört und schwere Atemwegsinfektionen verursacht. Wie gefährlich es wirklich ist, ist unklar. Möglicherweise haben sich viele tausend Menschen schon infiziert, ohne ernsthaft zu erkranken. Bislang wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 1400 im Labor bestätigte Fälle gemeldet, vor allem aus Saudi-Arabien. Mehr als 500 Patienten weltweit sind an der Infektion gestorben. Damit endet etwa jede dritte Mers-Infektion tödlich. Im Sommer trat zudem erstmals eine Mers-Epidemie in Südkorea auf, die auf einen Patienten zurückging, der sich vor seiner Einreise auf der Arabischen Halbinsel aufgehalten hatte.

          Nach dem ersten Auftreten des Virus im Jahr 2012 haben Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen sofort gemeinsam mit anderen deutschen Wissenschaftlern damit begonnen, einen Impfstoff zu entwickeln. Jetzt konnten sie im „Journal of Virology“ erste Erfolge vermelden: Nach der Impfung mit einer neu entwickelten Vakzine zeigten Versuchsmäuse eine starke Immunantwort. Die Vakzine entstand durch eine neue Methode, mit der die Herstellung von Impfstoffen im Fall neu auftretender Seuchen extrem beschleunigt werden kann. In einen gut erprobten Trägerimpfstoff werden Gene des neuen Erregers eingebaut. Nach der Impfung entsteht eine Immunantwort auf den Erreger, gegen den der erprobte Impfstoff immunisiert, und gegen den neuen Erreger. In diesem Fall verwendeten die Wissenschaftler um Michael Mühlebach vom Paul-Ehrlich-Institut abgeschwächte Masern-Impfviren als Trägervakzine. Neben dem PEI waren unter anderem auch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und die Forschungsgruppe von Stephan Becker vom Institut für Virologie der Universität Marburg beteiligt. Sie bauten in das Genom des Masern-Impfvirus das Gen des Mers-CoV-Hüllproteins ein und konnten so erreichen, dass die Mäuse Antikörper bildeten und dass eine T-Zell-Antwort in den Versuchstieren zustandekam.

          Dromedare meiden

          Wie wichtig eine Impfmöglichkeit ist, verdeutlicht auch die vor wenigen Tagen neu veröffentlichte, aktuelle Einschätzung des Robert-Koch-Instituts im Hinblick auf das Mers-Coronavirus. Zwar gebe es bislang keine Hinweise auf eine anhaltende, unkontrollierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung, heißt es hier. Importierte Krankheitsfälle seien jedoch jederzeit möglich und könnten auch in Krankenhäusern zu weiteren Ansteckungen führen. Reisende in die Risikoländer sollen sich von Dromedaren und von nicht erhitzten Kamelprodukten - etwa Milch - fernhalten.

          In Deutschland war im März 2015 zum dritten Mal ein Mers-Fall aufgetreten. Wie bei den beiden Fällen zuvor handelte es sich um einen Patienten, der von der arabischen Halbinsel eingereist war. Dass sich die Krankheit in Südkorea in diesem Sommer relativ ungebremst ausbreiten konnte, erklären WHO-Experten mit der Mentalität gegenüber ärztlichen Behandlungen in dem asiatischen Land. Die Patienten hier neigen demnach zum „doctor shopping“, sie suchen mehrere Kliniken auf, bevor sie sich behandeln lassen. Zudem ist es üblich, dass Angehörige die Erkrankten in den Kliniken pflegen, viele Besucher gehen ein und aus. So kam es zu immer mehr Kontaktpersonen, was dazu führte, dass sich in Südkorea insgesamt mehr als 180 Menschen infizierten.

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