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Mentale Erholung : Ein Herbst zum Verschlafen?

Schlafeskapismus ist verlockend aber gefährlich: Wer zu lang schläft riskiert mentalen Leistungsabfall. Bild: dpa

Viele Aktivitäten, mit denen man sonst lange Herbstabende füllen konnte, fallen in diesem Jahr pandemiebedingt aus. Ist frühes Schlafengehen eine Alternative?

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          Die Nächte werden länger, die Motivation, sich draußen herumzutreiben, nimmt langsam ab. Was tut man nun an diesen langen Abenden, an denen Innenraum-Geselligkeit pandemiebedingt zwiespältig zu sehen ist und über das Jahr hinweg das Spektrum der ansteckungssicheren Zuhause-Aktivitäten schon mehr als ausgereizt wurde? Früh schlafen zu gehen könnte eine Idee sein, zumindest wenn einem sonst nichts mehr einfällt. Energie tanken für die Zeit, wenn alles wieder besser aussieht in dieser Welt.

          Das klingt nicht schlecht, doch die Strategie des Schlaf-Eskapismus ist nicht ganz ohne Risiko, wie man nun in „Jama Network Open“ lesen kann. Die Dauer des Schlafes scheint nämlich in besorgniserregender Weise mit dem Einsetzen kognitiven Abbaus korreliert zu sein. Das legt zumindest die Analyse der Daten aus zwei longitudinalen Kohortenstudien mit insgesamt mehr als 20 000 Teilnehmern in England und China nahe, in denen sowohl das Schlafverhalten abgefragt als auch ein Kognitionstest zu Erinnerung, Orientierung und Aufgabenausführung vorgenommen wurden. Die Auswertung zeigt, dass der mentale Abbau im Alter am langsamsten bei einer durchschnittlichen Schlafdauer von sieben Stunden pro Nacht auftritt.

          Was in diesen sieben Stunden genau passiert, beantwortet währenddessen eine zweite Studie in „Science Advances“. Mit Hilfe eines mathematischen Modells analysierten amerikanische Forscher Schlafdaten von Kindern. Ihr Ergebnis: Bis zu einem Alter von 2,4 Jahren wird das Gehirn während der REM-Phasen im Schlaf neu organisiert. Danach dient der Schlaf vor allem der neuronalen Reparatur. Durch oxidativen Stress verursachte Schäden im Gehirn werden abgebaut. Wenn nun aber der Schlaf gewissermaßen der Reinigung gebeutelter Gehirne dient, dann könnte man spekulieren, dass wir 2020 ausnahmsweise doch etwas mehr als sieben Stunden davon gebrauchen können.

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