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Herpes : Diese verfluchten Bläschen

Mehr als lästig: Den Erreger wird man nie wieder los. Bild: F.A.S.

Praktisch jeder Mensch ist mit Herpesviren infiziert. Und niemand wird die Viren je wieder los. Bricht die Krankheit aus, kann das extrem belastend sein. Was tun?

          Koi-Karpfen leiden empfindlich darunter. Erdhörnchen, Adler, Meeresschildkröten, und selbst eine Boa constrictor kann es treffen. Sogar Austern. Denn die Ordnung der Herpesviren ist vielfältig; ihre drei Familien sind mit rund hundert Arten unter Wirbeltieren weit verbreitet. Dass auch Mollusken geplagt sind, ist eher ungewöhnlich. Und bei sensiblen Menschen könnte allein der Gedanke an ihr glibberiges Aussehen einen Herpes hervorrufen: Ekel lässt die gefürchteten Bläschen sprießen.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht jedem, der mit einem Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 infiziert ist - und das sind immerhin schätzungsweise 90 Prozent der Bevölkerung -, schwillt zwangsläufig die Lippe. Doch einige Leidtragende müssen immer wieder damit rechnen. Vielleicht bei Fieber, der Menstruation und in Situationen, in denen sie starker UV-Strahlung oder Stress ausgesetzt sind. Das kann eine Prüfung sein, aber auch ein Rendezvous. Wenn dann Viren, die sich mitunter schon vor Jahrzehnten in den Nervenzellen eingenistet haben, schmerzhaft an die Hautoberfläche drängen und den Mund entstellen, scheint Herpes wie der Fluch einer bösen, eifersüchtigen Fee.

          Immerhin gibt es heute antivirale Medikamente, deren Wirkung nicht auf einem Placebo-Effekt beruht wie im Falle der meisten Hausmittelchen. Letztere schaffen es bestenfalls, Trockenheit der Haut, Risse und Entzündungen zu lindern. Mit dem Wirkstoff Aciclovir dagegen, der als erster seiner Klasse Anfang der achtziger Jahre auf den Markt kam, ließ sich die Therapie deutlich verbessern. Das sogenannte Nukleosid-Analogum hemmt über einen Zwischenschritt die Virenvermehrung.

          Genitalherpes ist ein ernstes Problem

          Aktuelle Studien zielen noch in eine andere Richtung: Forscher hoffen, endlich einen Impfstoff zu finden. Das ist keineswegs einfach: Seit den 1920er Jahren sucht man nach einer Vakzine, die effektiv vor der Infektion mit Herpes-simplex-Viren schützen würde oder als prophylaktische Therapie spätere Ausbrüche unterbinden könnte. Zuletzt enttäuschte ein aussichtsreicher Wirkstoff des Herstellers GlaxoSmithKline im klinischen Test.

          Andere Strategien zur Bekämpfung des Virus sind ebenfalls in Arbeit. „Wir suchen beispielsweise Substanzen, die eine Ansteckung stärker unterbinden würden“, sagt die Medizinerin und Epidemiologin Anna Wald von der University of Washington in Seattle. Die derzeit erhältlichen Medikamente würden den Patienten zwar helfen, sie fühlten sich dadurch auch erheblich besser, doch die Viren würden trotzdem noch unbemerkt freigesetzt und auf andere übertragen. Insbesondere bei Genitalherpes, bei dem sich die Erreger unterhalb der Gürtellinie ansiedeln, ist das ein ernstes Problem.

          Lange Zeit galt die Lehrmeinung, dass dafür vor allem ein anderer Typ, nämlich Herpes simplex 2, verantwortlich sei. Das hat sich offenbar geändert. „Im Genitalbereich ist Typ 1 inzwischen fast ebenso häufig zu finden wie Typ 2. Und Letzterer taucht wiederum auch in der oralen Region auf“, sagt Peter Wutzler, der bis zu seiner Emeritierung 2012 das Institut für Virologie und Antivirale Therapie in Jena leitete. „Herpes kann praktisch überall auftreten, wo Nervenknoten beziehungsweise ihre Nervenzellen hinführen. Selbst an den Fingern habe ich es schon gesehen.“

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