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Malaria : Das Netz wird nicht reichen

Unter Moskitonetzen zu schlafen wurde bisher vor allem schwangeren Frauen und Kleinkindern dringend geraten. In den Risikogebieten soll es am besten jeder tun. Bild: TON KOENE, VISUALS UNLIMITED /SC

Immer noch sterben jährlich mehr als eine halbe Million Menschen an Malaria. Und das, obwohl die Krankheit eigentlich zu beherrschen wäre. Wie der Kampf gelingen könnte, zeigt das Beispiel Kenia.

          Die Sonne steht schon tief, als wir ans Ufer treten und in weiter Ferne Regen niedergehen sehen. Über dem Viktoriasee türmen sich hohe Wolkengebilde auf und verdunkeln den Himmel. Trotzdem scheint die Idylle perfekt. Nicht eine Stechmücke ist in der Luft, die wir als Überträgerin der Malaria fürchten müssten, was uns später am Abend die imprägnierten Ärmel herunterrollen und den Netzbaldachin rings ums Hotelbett penibel schließen lässt. Noch lassen sich die Blutsauger nicht blicken. Dabei lauern sie überall.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rund hundert Nationen sind nach wie vor von Malaria betroffen. Übertragen wird sie durch Anopheles-Mücken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass noch immer mehr als eine halbe Millionen Menschen jährlich an Malaria sterben. Neunzig Prozent davon in Afrika, und von diesen sind wiederum die meisten keine fünf Jahre alt. Dabei muss man sogar von einem Erfolg sprechen, schließlich ist die Sterberate im Vergleich zum Jahr 2000 weltweit um 47 Prozent zurückgegangen. Für 2015 wird angenommen, dass es sogar 55 Prozent weniger sein werden und 35 Prozent weniger Infizierte. Die Fallzahlen weiter reduzieren, Malaria in 26 Ländern sogar in nächster Zukunft eliminieren - dieses ehrgeizige Ziel wollen die WHO und das internationale Netzwerk „Roll Back Malaria“ nun mit Programmen für die Jahre 2016 bis 2030 in Angriff nehmen: Ihre „Global Technical Strategy“ sowie der „Global Case for Investment and Action“ wird jede Unterstützung brauchen.

          Der erste Impfstoff ist nah

          Den Betroffenen ist zu wünschen, dass das klappt. Für Kleinkinder und schwangere Frauen ist eine Infektion mit den einzelligen Parasiten besonders gefährlich, ihr Immunsystem kann diesen nur wenig entgegensetzen. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Prävention, zum Beispiel mit Insektiziden vorbehandelte Bettnetze und eine effektive Behandlung der Krankheit, wenn sie bereits ausgebrochen ist oder nur asymptomatisch verläuft. Außerdem ist mit dem Mittel RTS,S vielleicht schon in diesem Jahr der erste Impfstoff erhältlich. Die Daten einer entsprechenden Phase-III-Studie der von GlaxoSmithKline produzierten Vakzine sind jetzt ausgewertet.

          Die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte die Ergebnisse, für die mehr als 15.000 Kinder bis zu vier Jahre lang beobachtet wurden. Die anfängliche Wirkung von etwa 50 Prozent ließ offenbar mit den Jahren nach, das jeweilige Impfalter hatte ebenfalls Einfluss. Die schweren Fälle ließen sich aber immerhin um ein Drittel reduzieren. „Selbst wenn der Schutz nur 30 bis 40 Prozent beträgt, ist der Impfstoff nützlich“, sagt Kinderarzt Bernhards Ogutu, der in Kenia an den Studien beteiligt ist. „In den Risikogebieten wird er viele Leben retten.“ Ein Zulassungsantrag für RTS,S liegt der europäischen Behörde EMA bereits vor, und die WHO will nun im Herbst über eine Empfehlung entscheiden.

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