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Adipositaschirurgie : Der goldene Schnitt

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„Hauptsächlich, weil sie die Komplikationen der Begleiterkrankungen fürchten, entscheiden sich die Patienten für einen solchen Eingriff“, erklärt Lars Fischer, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden. Sie kennen die Risiken der Operation, und etliche fürchten sich auch davor. Gleichwohl sähen sich viele der Betroffenen dem Vorwurf ausgesetzt, sie suchten lediglich einen einfachen Weg abzunehmen. Fischer, der ihre Motivation systematisch untersucht hat, widerspricht jedoch nachdrücklich: „Die Patienten machen es sich ganz sicher nicht leicht.“ Meist seien sie deutlich kränker als diejenigen, die weiterhin auf konservative Maßnahmen und Medikamente bauten („Obesity Surgery“, Bd. 27, S. 1684).

Die Erfolge eines Schlauchmagens zeigen sich oft schnell. Dieser Patient verlor nach der Operation innerhalb von vier Wochen rund zwanzig Kilo.

Vor allem hätten sie nicht selten zahlreiche Versuche hinter sich, Gewicht abzunehmen. Offenbar verlaufen ab einem bestimmten Grad der Fettleibigkeit diese Versuche ungemein frustran, weil evolutionär jeder Gewichtsverlust „Hungersnot“ suggeriert und der Körper alles daransetzt, dies rückgängig zu machen. Wenn dann nach einer Gewichtsreduktion der Grundumsatz abgesenkt würde, dann sei es tatsächlich so, dass die Patienten stärker zunehmen, selbst wenn sie weniger essen, so paradox dies klingt. „Viele von uns haben den Betroffenen das lange nicht geglaubt“, räumt Fischer ein. Erst die Ergebnisse der Adipositaschirurgie, die offenbar eine Art Reset-Taste in Sachen Hungerschwelle betätigt, haben hier zu einem Umdenken geführt.

Unverständlicher Papierkrieg

„Es ist daher umso unverständlicher, warum es diesen Patienten in Deutschland so schwergemacht wird, die Kostenerstattung für die Operation bewilligt zu bekommen“, rügt Thomas Horbach, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der Schön Klinik Nürnberg Fürth. Eigentlich sehen die hiesigen Leitlinien vor, dass jedem Patienten ab einem Body-Mass-Index (BMI) über 40 der Eingriff zusteht, das beträfe in Deutschland allein 1,5 Millionen Menschen. Das gilt auch für einen BMI von über 35, wenn zusätzliche Begleiterkrankungen wie Diabetes vorliegen. Dass die Patienten dennoch einen Papierkrieg führen müssen und teils unerfüllbare Auflagen erhalten, ist umso schwerer nachzuvollziehen, als andernorts nicht nur Chirurgen, sondern bereits die Diabetologen selbst die Operation empfehlen.

„Die amerikanische Diabetesvereinigung ADA sieht einen metabolischen Eingriff ausdrücklich als Option“, berichtet Horbach. Selbst das vorsichtige und an absoluten Evidenzkriterien orientierte NICE-Institut in Großbritannien hält aus medizinischen Gründen eine metabolische Operation bei Diabetikern für sinnvoll und am ehesten für erfolgversprechend. Es wäre nur angesichts der fast 900 000 Patienten, die hierfür in England in Frage kämen, nicht machbar, räumen die Experten ein. In Ländern wie Belgien oder Schweden, in deren Gesundheitssystemen ähnlich viel Geld pro Patient aufgewendet wird wie hierzulande, erhalten auf die Einwohnerzahl bezogen fünf- bis zehnmal so viele Patienten einen metabolischen Eingriff wie in Deutschland. „Wir sind fast Schlusslicht in Europa“, erklärt Horbach, sogar in Griechenland werden mehr Patienten operiert. Gerade in Bayern, sonst in vielem der Klassenprimus der Bundesländer, zeigt sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bei einschlägigen Anfragen besonders zugeknöpft. Selbst Patienten mit einem BMI von über 50 haben Schwierigkeiten, einen Antrag durchzubekommen. Dass Kliniken hierfür enorm viel Zeit und Personal aufwenden müssen, beklagen nicht nur Adipositaschirurgen, das wurde unlängst auch wissenschaftlich belegt („Der Chirurg“, doi: 10.1007/s00104-017- 0381-8). Hätte Minister Gabriel in Bayern beim MDK vorsprechen müssen, wäre er vermutlich heute noch nicht operiert.

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