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Lungenleiden : Nicht jeder Husten ist gleich Asthma

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Weil sich die Atemwege mit dem Wachstum weiten, verschwinden die Probleme bis zur Einschulung bei den meisten Betroffenen von selbst. Und es gibt durchaus „Happy Wheezer“: Das Kind, „das zwar scheinbar aus dem letzten Loch pfeift, aber völlig unbeeindruckt in der Ecke weiterspielt“, umschreibt es Andrea Heinzmann, Leiterin der Abteilung für Kinder-Allergologie und Pneumologie an der Freiburger Universitätsklinik. Wenn die Atemgeräusche asthmatisch klingen, kann das auch Veranlagung sein.

Studien belegen, dass Ärzte oft falsch liegen

Anders ist es der Fall, wenn eine genetische Veranlagung für Asthma besteht, die oft mit einer Neigung zu Allergien einhergeht. Dann kann sich die Entzündung in den Bronchien verselbständigen, so dass die Schleimhaut durchlässig und hochempfindlich wird: Kalte Luft, Pollen oder Zigarettenrauch können dann die Atemwege schon reizen und überreagieren lassen - bis hin zur Asthmaattacke. Dabei ziehen sich die Bronchien im Extremfall so weit zusammen, dass aus der Lunge kaum Luft hinauskommt und auch nicht in sie hineinkommt. Aber selbst von den fortgeschrittenen Fällen ist ein Drittel im Jugend- oder Erwachsenenalter wieder frei von Asthma. Das stellt die Ärzte vor die schwierige Aufgabe zu erkennen, ob sich hinter den Symptomen eine gefährliche chronische Krankheit versteckt - oder eine ähnlich klingende Bronchitis. Das auseinanderzuhalten sei nicht immer einfach, sagt Wolfgang Rascher, der Direktor der Kinderklinik des Universitätskrankenhauses in Erlangen. Vor allem, wenn ein Kind immer wieder damit kommt.

Dass Ärzte oft falsch liegen, belegen Studien. So hielt 2006 nur jede zehnte Asthmadiagnose unter australischen Kindern im Vorschulalter einer Überprüfung stand. In den Niederlanden irrten sich die Hausärzte in der Hälfte der Fälle vermeintlich asthmakranker Kinder, wie eine Veröffentlichung aus diesem Frühjahr zeigt. Die deutschen Angaben liegen zwar unter dem Niveau von Großbritannien, Kanada und den Niederlanden, ob sie aber stimmen? Auch in der Ambulanz der Universitätsklinik Erlangen tauchen laut Rascher immer wieder kleine Patienten auf, deren Asthma sich in Wahrheit als Bronchitis entpuppt.

Richtige Diagnose bleibt eine Sache für Spezialisten

Ärzte sehen die Kinder oft erst, wenn die Symptome schon wieder abgeklungen sind: Oft beruhe die Diagnose allein auf der Aussage der Mutter und einer schnellen, oberflächlichen Untersuchung, klagt Michael Seear. Nach dem Motto „Du hast Asthma, wenn du sagst, du hast Asthma“. Solche Aussagen lassen sich überprüfen, indem man dem Kind zum Beispiel eine Nasenklammer aufsetzt und es bittet, möglichst fest durch Mundstück und Schlauch in ein sogenanntes Spirometer zu blasen. Oder man testet es mit einem Ganzkörper-Plethysmografen und setzt es dafür in einen großen Glaskasten. Dass sich kleine Kinder nur schwer dazu überreden lassen, ist verständlich; nicht viel besser sieht es aus, wenn etwa der Stickstoffmonoxid-Gehalt in der ausgeatmeten Luft gemessen werden soll. „Die Geräte sind nicht unbedingt perfekt“, räumt Louise Fleming ein, „aber sie können trotzdem wichtige Informationen liefern.“ Das Problem sei nur, dass viele Kollegen sich angesichts solcher Schwierigkeiten gar nicht mehr die Mühe machten, genauere Untersuchungen durchzuführen. Bei einem Kleinkind wenden Ärzte deshalb meist eine Art Überschlagsrechnung an: Haben die Eltern, die Geschwister ebenfalls Asthma? Reagiert es allergisch? Treten die Symptome bei Anstrengungen auf? Daraus ergibt sich ein Wert, der etwas über das Risiko aussagen soll, ob es erste Anzeichen einer ernsthaften Krankheit sind. „Nur was nützt es den Eltern“, sagt Andrea Heinzmann, „wenn ich ihnen sage, ihr Kind bekommt mit einer Wahrscheinlichkeit von siebzig Prozent Asthma?“

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