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Luftverschmutzung : Feinstaub in der Plazenta entdeckt

  • -Aktualisiert am

Dieser sieben Wochen alte Fötus ist noch am Anfang seiner Entwicklung und sehr empfindlich. Bild: dpa

Winzige Rußpartikel, die von der Schwangeren eingeatmet werden, landen im Kreislauf des Fötus. Je schmutziger die Luft, desto höher die Belastung. Für die Gesundheit des Säuglings bedeutet das nichts Gutes.

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          Die Plazenta ist ein temporäres Organ, das Mutter und Fötus verbindet und zugleich trennt. Sie ist von Blutgefäßen beider Seiten durchzogen, versorgt den Fötus mit Sauerstoff, Nährstoffen und nimmt dessen Abfallprodukte wieder auf. Sie dient aber auch als Barriere zwischen den beiden und schützt so das Ungeborene vor Giften im Körper der Mutter.

          Wissenschaftler der Hasselt-Universität in Belgien mussten nun allerdings feststellen, dass die Schutzwirkung der Plazenta möglicherweise überschätzt wurde. Bei der Untersuchung von Gewebeproben fanden sie sowohl auf der mütterlichen als auch auf der fötalen Seite des Organs Kohlenstoffpartikeln, die diese Barriere offenbar durchbrechen konnten. Die gut zwei Dutzend Mutterkuchen für die Studie wurden im Zuge eines Projektes („Environage“) aufbereitet, das die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Entwicklung von Ungeborenen erforscht.

          Die Wissenschaftler um Tim Nawrot untersuchten Proben von zehn Frauen, die während der Schwangerschaft starker Luftverschmutzung ausgesetzt waren, und weitere zehn, die in einer weniger stark belasteten Gegend wohnten. Wie sie in der Zeitschrift „Nature Communications“ berichten, gab es einen klaren Zusammenhang zwischen der Menge der Kohlenstoffpartikel in der Plazenta und dem Grad der  Luftverschmutzung. Auch in Plazentaproben von einigen Frühgeburten fanden sich Feinstaubpartikel. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es sich um Feinstaub aus der Luft handelt, welche die Frauen über die Lunge aufnahmen. Die Partikeln wurden über das Blut der Mutter zur fötalen Seite der Plazenta transportiert. Ob sie dort Schaden anrichten, wurde in der Studie nicht untersucht. Aus Feinstaubwirkungsstudien lässt sich allerdings ableiten, dass solche Fremdpartikeln entzündliche Reaktionen auslösen können.

          Die Liste gefährlicher Schadstoffe wird erweitert

          Für Thorsten Plösch, Universitätsdozent und Leiter der Forschungsgruppe Experimentelle Perinatologie an der Universitätsfrauenklinik Groningen, ist klar: „Wir wissen seit langem, dass Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Luftverschmutzung oder natürlich auch Zigarettenrauch einen Einfluss auf das Wachstum des Fötus haben. Wir wissen auch, dass dies Langzeiteffekte haben kann, die bis ins Erwachsenenalter nachweisbar sind.“

          Indem die belgischen Wissenschaftler nachweisen konnten, dass auch Kohlenstoffpartikel die fötale Seite der Plazenta erreichen, erweitern sie die Liste der gefährlichen Schadstoffe. Die Schwierigkeit besteht aus Plöschs Sicht darin, diesen einen Faktor als direkte Ursache für negative Langzeitfolgen auszumachen. Denn diese spezielle Studie zeige zunächst einmal nur, dass die Partikel übertragen werden und den Fötus potentiell erreichen können, nicht aber deren Auswirkungen auf die Zellen und das Wohlbefinden des Fötus.

          Schon in früheren, insbesondere epidemiologischen Studien wurden Hinweise gefunden, die den Schluss nahe legen, dass das Einatmen hoher  Feinstaub-Konzentrationen während der Schwangerschaft die Entwicklung des Fötus beeinflussen kann. Unter anderem wurden ein geringeres Wachstum, ein geringeres Geburtsgewicht und ein höheres Risiko für Fehlgeburten damit in Verbindung gebracht.

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