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Low-Fat-Diät : Eine einzige fette Lüge

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Dass die Konsumenten einfach mehr von dem Zeug aßen, weil sie anders nicht recht satt wurden, schien niemanden zu stören. Vielleicht auch deshalb, weil die Lebensmittelindustrie bald zum Hauptsponsor vieler Nahrungsmittelwissenschaftler wurde. Zwar häuften sich mittlerweile Daten, nach denen der Konsum von Fett – auch von tierischem Fett und solchem mit vielen gesättigten Fettsäuren – keine bedenklichen Folgen nach sich zog. Dass es von Vorteil sei, stattdessen möglichst Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, ließ sich ebenfalls nicht objektiv bestätigen. Doch die Anti-Fett-Einheitsfront hielt. Veröffentlichungen, die nicht ins Bild passten, wurden häufig verhindert. Das ging sogar Walter Willett so, dem obersten Ernährungsforscher an der Harvard University. Der schaffte es 1995 nicht, in seinem Heimatland eine Studie zu publizieren, die zeigte, dass das Weglassen von gesättigten Fetten zugunsten von Kohlenhydraten die Herzgesundheit überhaupt nicht verbesserte.

Ironischerweise war es wieder ein Journalist, der endlich für eine Kehrtwende sorgte. 2001 erschien in Science ein Artikel mit dem Titel „The Soft Science of Dietary Fat“. Dessen Autor Gary Taubes nahm darin die Methodik und die Schlussfolgerungen der Studien, auf denen die Fett-Phobie beruhte, derart auseinander, dass kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Er zeigte akribisch, wie Ergebnisse einseitig interpretiert, konträre Nachweise unter den Tisch gekehrt und ursächliche Zusammenhänge konstruiert wurden. Taubes konnte unter anderem belegen, dass das Cholesterin in der Nahrung so gut wie gar nichts mit dem Cholesterin im Blut und dem Kalk in den Arterien zu tun hat. Und noch vieles mehr.

Gar nicht so gesunde Alternative zu Butter

Es war, als hätte der Blitz eingeschlagen. Von nun an erschienen plötzlich immer mehr und immer bessere Studien und Meta-Analysen. Nirgends fand sich ein echter Nachweis dafür, dass natürlich vorkommendes Fett oder gesättigte Fettsäuren krank machen. Alles, was nachweisbar vom alten Feindbild blieb, waren die industriell gehärteten Trans-Fette. Und das waren ausgerechnet jene Substanzen, die über Jahrzehnte hinweg als gesunde Alternative zu Butter propagiert worden waren, in Form von Margarine auf dem Brötchen oder als Fett zum Kochen, Backen und Braten.

Bleibt die Frage, was denn nun wirklich ein gesundes Essen für den Normalbürger ist? Tatsächlich wisse das auch heute niemand, sagt der Ernährungsmediziner Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim. Die DGE jedenfalls ist eine der letzten Fachgesellschaften, die ihre Empfehlungen den wissenschaftlichen Belegen oder besser gesagt: deren Fehlen nun anpasst. Sie schließt damit einen Kreis. Denn ihre ersten Empfehlungen vor mehr als einem halben Jahrhundert waren ebenfalls komplett fettwarnungsfrei.

Wie vielen Menschen die bis vor kurzem geltenden Regeln gesundheitlich geschadet haben, wird sich wohl nie errechnen lassen. Man kann nur hoffen, dass der Göttinger Sozialhistoriker Uwe Spiekermann recht hat. Er nennt die Geschichte der Ernährungsempfehlungen vor allem eine „Geschichte ihrer Nichtbeachtung“.

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