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Krebs durch Bakterien : Viel mehr als nur lästig

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Unter dem Mikroskop erscheint Helicobacter pylori (blau gefärbt) fast elegant. Doch die Bakterien verursachen nicht nur Magengeschwüre und Gastritis, sondern auch Tumore. Bild: mauritius images

Lange Zeit wurden die Folgen von bakteriellen Infektionen unterschätzt. Inzwischen weiß man, dass Mikroben sogar Krebs auslösen.

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          Für bösartig hatte Cynthia Sears ihre Studienobjekte ursprünglich nicht gehalten. Sie beschäftigt sich mit Durchfallerregern: Bacteroides fragilis, so wusste die Infektiologin der Johns Hopkins University in Baltimore, macht besonders Kindern das Leben schwer, ist also kein harmloser Keim. In der Laborkultur richtete der Erreger mit seinem Toxin jedoch auch massive Schäden im Erbgut von Darmzellen an. Veränderungen, wie man sie sonst nur von Krebszellen kenne, erzählt Sears. „Als wir schließlich Mäuse damit infizierten, sind wir erschrocken, wie viele Tumore sich bei ihnen bildeten.“

          Ein ähnliches Risiko könnte für den Menschen bestehen. Dafür hat die amerikanische Infektiologin Anfang des Jahres in der Fachzeitschrift Science weitere Belege vorgestellt. Bei Patienten, die aufgrund einer Erbkrankheit schon in jungen Jahren etliche Tumorvorstufen im Darm entwickeln, taucht dieser Keim doppelt so häufig auf wie bei Gesunden. Mehr als jeder zweite, der unter der familiären adenomatösen Polyposis, einer Erbkrankheit, leidet, trägt dieses Bakterium mit sich herum. Im Darm scheint sich Bacteroides fragilis außerdem mit speziellen E.coli-Bakterien zu verbünden, die ebenfalls ungewöhnlich häufig bei Kolonkrebspatienten zu finden sind. Gemeinsam gelingt es den Mikroben, die schützende Schleimschicht zu durchdringen und sich in einem Biofilm an die Darmwand zu heften. Während die Komplizen ihr Colibactin in die Epithelzellen schleusen, was deren Erbgut zusetzt, schürt Bacteroides mit seinem BFT genannten Gift die Entzündung im Gewebe. Die dabei freigesetzten Botenstoffe und aggressiven Sauerstoffradikale verursachen weitere DNA-Schäden und fördern das Wachstum der entarteten Zellen. Als einen „perfekten Weg“, um Darmtumore zu erzeugen, bezeichnet Cynthia Sears diese Kombination.

          Täter ohne Fußabdruck

          Dass Bakterien bei der Krebsentstehung eine aktive Rolle spielen können, hatte man lange Jahre übersehen. Während Viren als Haupt- oder Mittäter entlarvt wurden, zum Beispiel bei Leber- und Gebärmutterhalskrebs, blieben die Mikroben unterhalb des Radars. Dass sie von den Onkologen sträflich unterschätzt wurden, habe auch mit der Schwierigkeit zu tun, sie als Täter zu überführen: „Bakterien hinterlassen keinen so deutlichen Fußabdruck wie die Viren“, erklärt Thomas Meyer, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Viren dagegen bauen oft ihre Gene ins Erbgut der Zellen ein und kennzeichnen so den Tatort.

          Mit ihrer Entdeckung von Helicobacter pylori 1983 und dessen Beteiligung an Magengeschwüren konnten die australischen Ärzte Barry Marshall und John Robin Warren zunächst nur wenige überzeugen. Doch sie leisteten Pionierarbeit, und die Medizin musste schließlich akzeptieren, dass eine Bakterieninfektion weitreichende Folgen haben kann. Kaum begann man, Helicobacter mit Antibiotika zu bekämpfen, sank auch die Zahl der Magenkrebspatienten. Thomas Meyer und Kollegen konnten inzwischen zeigen, dass sich das Bakterium auf molekularer Ebene in das Kommunikationssystem der Zelle einmischt und dabei DNA-Schäden provoziert; gleichzeitig fördert es das Entzündungsgeschehen im Umfeld.

          Heimtückische Chlamydien

          Für die Forschung war die Entdeckung der Australier eine Initialzündung: „Wir haben uns gefragt: Warum soll das nur für den Helicobacter und den Magen gelten? Ähnliches machen womöglich auch andere Erreger in anderen Geweben“, sagt Meyer. So ist im Laufe der Jahre eine ganze Liste von Verdächtigen zusammengekommen. Auch beim Gallenblasen-Karzinom, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs wird Mikroben heute zumindest eine Mittäterschaft unterstellt, ebenso bei Prostatakrebs.

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