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Lebertumoren : Vom Fett zum Krebs

  • -Aktualisiert am

Sie schaden der Leber: Kind vor einem Regal mit Softdrinks Bild: Reuters

Hohe Blutfettwerte schädigen die Leber. Wie genau die Verfettung des Organs schließlich Krebs entstehen lässt, klären jetzt erste Studien. Dabei wird auch deutlich, wie massiv Fruktose - etwa aus Softdrinks - zur Leberverfettung beiträgt.

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          Hohe Fettspiegel im Blut schädigen nicht allein die Blutgefäße. Bislang werden von Ärzten trotzdem meist nur die Komplikationen am Gefäßsystem beachtet. Die Patienten erleiden häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Jetzt haben Wissenschaftler den Blick aber auch auf den blinden Fleck gerichtet: die Leber und die Folgen der Verfettung des Organs.

          Ärzte beobachten eine drastische Zunahme von Entzündungen der Leber, die mit dem gestörten Fettstoffwechsel verbunden sind, wie auf einem Symposion anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten unlängst in Leipzig zu erfahren war. Sind andere Ursachen ausgeschlossen, wie etwa überhöhter Alkoholkonsum oder eine Viruserkrankung, sprechen die Mediziner von einer nichtalkoholischen Fettleberhepatitis (NASH). Die Fettlebererkrankung, die Einlagerung von Fettmolekülen in die Leber, ist die häufigste Krankheit der Leber in der westlichen Welt. Jeder Fünfte entwickelt eine NASH. Ist die Entzündung in der Leber ausgeprägt, besteht zudem die Gefahr, dass sich eine Zirrhose ausbildet oder gar bösartige Tumoren entstehen. Bislang wurde diese Art des Krebses, das hepatozelluläre Karzinom, überwiegend bei Menschen mit Leberzirrhose aufgrund einer Virushepatitis diagnostiziert. Doch nimmt die Zahl der Fälle von Leberkrebs bei NASH kontinuierlich zu.

          Die molekularen Mechanismen unterbrechen

          Wissenschaftler haben Fortschritte erzielt in ihrem Bemühen, die Vorgänge bei der Entstehung der Fettleberhepatitis und Krebsentwicklung besser zu verstehen. Ihr Ziel ist es, die molekularen Mechanismen frühzeitig zu unterbrechen, um Tumorwachstum zu vermeiden. Noch gibt es kein abgeschlossenes Bild, doch manche Details konnten entschlüsselt werden.

          Nicht alle Menschen, die erhöhte Fettwerte haben, haben auch eine entzündliche Fettlebererkrankung. Offenbar müssen weitere Faktoren hinzutreten. Dabei spielt das Adiponektin eine Rolle, wie Michael Trauner, Leberspezialist aus Wien, berichtete. Von dem Peptidhormon, das unter anderem die Wirkung des Insulins an den Fettzellen moduliert, gibt es mehrere genetische Varianten. Der Polymorphismus PNPLA3 geht mit einem erhöhten Risiko einher, eine Fettleberhepatitis zu entwickeln.

          Ausfall eines Enzyms

          Gleiches gilt für entzündliche Veränderungen im Bauchfettgewebe, die oft die Fettsucht begleiten. Die Wissenschaftler sprechen von einem sich selbst unterhaltenden, einem auto-inflammatorischen Prozess. Wie in einem Teufelskreis stimuliert sich die Entzündung dauerhaft. Was den Anstoß dazu gibt, ist noch nicht klar. In der Folge werden vermehrt Fettsäuren und Entzündungsmediatoren freigesetzt, deren Abbauprodukte die Leber schädigen. Auch der Ausfall des Enzyms Adipose Triglyceride Lipase (ATGL) fördert die Verfettung der Leber. Eine Fülle weiterer molekularer Vorgänge wird mit dem Fortschreiten der Entzündung der Leber in Verbindung gebracht.

          Bislang wurde unterschätzt, dass auch das Cholesterin als toxisch für die Leber zu gelten hat. Es schädigt die Sternzellen, die sich in den als Sinusoide bezeichneten erweiterten Kapillaren der Leber finden. Diese Zellen helfen der Leber, Abfallprodukte zu beseitigen. Es überrascht daher nicht, dass die Statine, mit denen das Cholesterin im Blut gesenkt werden kann, offenbar auch die Rate an hepatozellulären Karzinomen zu senken vermögen.

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